Weiber sind entschieden nüchterner

In schwierigen Angelegenheiten, nach Weise der alten Germanen, auch die Weiber zu Rathe zu ziehn, ist keineswegs verwerflich: denn ihre Auffassungsweise der Dinge ist von der unsrigen ganz verschieden und zwar besonders dadurch, daß sie gern den kürzesten Weg zum Ziele und überhaupt das zunächst Liegende ins Auge faßt, über welches wir, eben weil es vor unserer Nase liegt, meistens weit hinwegsehn; wo es uns dann Noth thut, darauf zurückgeführt zu werden, um die nahe und einfache Ansicht wieder zu gewinnen. Hiezu kommt, daß die Weiber entschieden nüchterner sind, als wir; wodurch sie in den Dingen nicht mehr sehn, als wirklich da ist; während wir, wenn unsere Leidenschaften erregt sind, leicht das Vorhandene vergrößern, oder Imaginäres hinzufügen.

Über die Weiber – Projekt Gutenberg

Arthur Schopenhauer

Geboren am 22.2.1788 in Danzig; gestorben am 21.9.1860 in Frankfurt/Main.

4 Gedanken zu „Weiber sind entschieden nüchterner“

  1. Mhmm was soll ich dazu kommentieren? Ich befasse mich gerade mit dem Kontext von Schopenhauers Lebzeiten aber hier ist wohl kaum der Sinn über das Zitat im Kontext zu kommentieren oder vielleicht der Kontext Gutenberg. na ja so generell könnte ich sagen:
    Beim ganzen Wechsel der Ansichten über die Jahrhunderte scheint das einzige gleichbleibende die Generalisierung oder Normierung einer Person entsprechend ihrerer Zugehörigkeit zu einem bestimmten Geschlecht zu sein bei gleichzeitiger Verdrängung der Tatsache, dass es diese eine Person gar nicht gibt sondern Milliarden von unterschiedlichen Persönlichkeiten – bei beiden Geschlechter oder wahrscheinlich sogar übergreifend.

    1. Ich habe ja noch keinen Kontext hergestellt. Habe sein Werk bei Gutenberg online mal wieder durchgeblättert und der Absatz hat mich angesprochen. Die Sprache die Schopenhauer benutzt und das Bild das er zeichnet. Seitdem hat sich Vieles verändert und manches gar nicht.
      Immer wieder regen mich solche Absätze zu eigenen Gedanken über die Geschichte und die Rolle von Menschen und Geschlechtern darin an … es ist also gut möglich, das in den kommenden Wochen noch ein Kontext entsteht.
      Und nun kann ich Deine Gedanken dem Ganzen hinzufügen. Danke für die Zeilen.

  2. Ui ui das ging aber schnell und in 5 Minuten hast Du dazu noch ganz ansehliche Sätze produziert. Ich hingegen bekomme gleich einen narzistischen Anfall und schäme mich über meine unüberlegten Sätze für die ich zudem viel mehr Zeit aufgewendet hatte ohne es wirklich auf den Punkt zu bringen. Obwohl an meinen Gedanken halte ich nach wie vor fest und das andere ist Blödsinn denn nur Übung macht den Meister. Zu meinen Gedanken kam ich natürlich aufgrund meiner perönlicher Erfahrung. Ich bemerkte, dass ich zum Beispiel von den Frauen spreche und dabei eigentlich nur gerade die Gemeinsamkeit derjenigen Frauen aus meinem engeren Erfahrungskreis hervorhebe, und dazu auch noch diejenigen die nicht ins Schema passen vergesse, wobei mein persönlicher Erfahrungskreis sowie so unheimlich beschränkt ist in anbetracht der Milliarden von Individuen. Zum Glück existiert immer eine Person die beweist, dass die Generalisierung nicht stimmt. Denn eine einzige Person genügt.

    1. Werte Gigi, danke für die freundlichen Worte.

      Nun habe ich ein wenig länger für einen Kommentar benötigt. Zum einen habe ich den Tag über andere Aufgaben gehabt und konnte das Blog nicht im Auge behalten und dann brauchte ich auch einige Minuten mehr, um meine Gedanken zum Thema zu sortieren.

      Das Zitat spricht aus einer anderen Zeit mit anderen Moden und Wertevorstellungen zu uns Gegenwärtigen. Seit den Tagen, in denen Schopenhauer seine Blüte erlebte, ist viel Wasser den Rhein hinab geflossen und die Diskussion über die Geschlechter hat manche Höhe erklommen und manche Tiefe durchschritten.
      Zu unseren modernen Geistern passen die überlieferten Urteile wohl nicht mehr recht. Ich stimme Dir grundsätzlich darin zu, dass jede Pauschalisierung nur ein Irrtum sein kann. Eine Gesellschaft wird nur dann eine demokratische, vernünftige und emotional gesunde sein können, wenn sie die Lagerdiskussionen aufgibt und jeder Person eine eigene, gleichwertige Stimme einräumt. Dabei muss der Unterschied, die Differenz und die persönliche Perspektive als Bereicherung des Gesamtbildes aufgenommen werden.
      Ich habe die Hoffnung, das wir in der Sache auf einem sehr guten Weg sind und das wir uns auf der Suche nach Lösungen für eine humane Zukunft bald über den Geschlechterkampf erheben werden. Frauen und Männer werden vielleicht schon bald als gleichberechtigte Partner gemeinsam für eine lebensfrohe und freundliche Zukunft eintreten. es ist noch einiges an Unrat aus vergangenen Epochen aus dem Weg zu räumen und sicher müssen wir noch einige überkommene Glaubensätze und Denkmodelle zu den historischen Archiven legen. Die Geschwindigkeit mit der sich der gesellschaftliche Wandel jedoch seit der Entwicklung des Internet und dem damit einhergehenden globalen Austausch von Menschen auf ‚Augenhöhe‘ vollzieht, lässt mich weiter fest daran glauben, dass wir die Moderne überleben werden und eine wunderbare postmoderne Zukunft bereits am Horizont zu erkennen ist.

      Deine Einwürfe sind anregend und ich hoffe, auch bei zukünftigen Beiträgen kommentierende Zeilen aus Deiner Richtung lesen zu dürfen.

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