Fluchthilfe zur Bürokratie

Am Zielort warten bereits Fluchthelfer auf den Reisenden, die in 193px-black_staplergeordneten Verhältnissen zu einem gelungenen Willkommen in einem geregelten Asylverfahren beitragen.

In einer ordentlichen Bürokratie, stellen sich sogleich hilfreiche Institutionen zwischen den Bürger und den Reisenden. Die Verwaltungen wittern fette Beute und pflastern den Weg der Fluchthilfe umgehend mit einer Fülle von Verordnungen, Regelungen, Verträgen und Paragraphen.

Fluchthilfe wird in rasantem Tempo zu einem Moloch aus Abheften, Beurkunden und Reglementieren. Die Bürokratie übergibt das praktische Handeln renommierten Verbänden, die bereits seit dem ersten Holz namhaft sind für Not und Hilfe. Einige Subverwaltungen mit gutem Ruf und Zertifizierung zum Allgemeinwohl.

Bereits nach kurzer Zeit ist ein bürokratischer Dschungel entstanden, wie ihn gestandene Bürokraten schätzen und lieben. So können auf Jahre viele beamtete Stühle aufgepolstert werden und die Pensionen bleiben sicher.

Das vorliegende Brevier versucht einen kurzen Überblick für Reisende und engagierte Fluchthelfer zu schaffen ohne sich zwischen Heftklammer und Eingangsstempel zu verlaufen. Eine gewisse Flüchtigkeit ist dem schnelllebigen Charakter dieser Flugschrift geschuldet und der geneigte Leser mag dies dem Autor verzeihen.

Viele Dokumente und kein Aktenordner

lever_arch_fileDer Reisende bringt im besten Fall schon einen Stapel Papier mit. In der Zeit kabelloser Datenübertragung und des papierlosen Büros, kurz, in einer neuländischen Informationsgesellschaft mit üppigem Breitbandanschluß, verliert man leicht die ultimative Bedeutung eines Dokuments auf Papier aus dem Bewußtsein. In der Bürokratischen Republik gilt eine Fotokopie und mehrlagige Durchschläge als effektiver Arbeitsnachweis. Es gilt als Höflichkeit dem amtierenden Beamten mit Zuständigkeit und Befugnis, etwas “für die Akten” mitzubringen.

Was sich die Anreisenden leider viel zu wenig klar machen, ist der Tatbestand, dass sie innerhalb der Bürokratie zunächst eine alptraumhafte Unbekannte sind. Ein Mensch ohne Aktenlage.

Allerdings ist mir noch kein Spendenaufruf untergekommen, der Schnellhefter, Aktenordner und anderen Bürobedarf angefordert hätte.

Fertigkeiten für den Erstkontakt

Kalendarien und Uhrzeiten sind die Schlüssel zur Bürokratie. Für den erfolgreichen Einstieg in die Bürokratische Republik sind Basiskenntnisse im hier gebräuchlichen Zahlen- und Kalendersystem hilfreich. Der Reisende sollte sich unbedingt ein Geburtsdatum zulegen, wenn er nicht bereits über eines verfügt. Dieses Datum sollte während des Bürokratisierungsprozeß unter keinen Umständen geändert werden.

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Ein Geburtsdatum, ein Vorname oder zwei und dazu ein Nachname begründen eine Person. Nun werden in anderen Systemen, außerhalb der Bürokratischen Republik auch Buchstaben verwendet, die ein Schriftführer der B.R. nicht ohne externe Hilfe auf seinen Eingabegeräten finden kann. Dieser Umstand kann zu anhaltenden Verwirrungen des bürokratischen Apparats führen. Reisende, die sich bereits im Vorfeld einige Gedanken darüber gemacht haben, wie ihr Name in der bürokratischen Landessprache geschrieben und gesprochen wird, können auf eine wohlwollende Beschleunigung der Einstempelung hoffen.

Glaubhaftmachung von Tatbeständen

Wirklichkeit, auch gerne als die Realität bezeichnet, ist Aufgabe der Wissenschaft. Physik und Astronomie stiften bereits genug Wahrscheinlichkeiten, um schier alles möglich erscheinen zu lassen. Derart chaotische Evolutionsprozesse sind nicht Gegenstand der Bürokratie. Kernelement der bürokratischen Ordnung ist der dokumentierte Tatbestand. Einen solchen Tatbestand kann nicht jeder Mensch nach belieben schaffen. Ein Tatbestand muß beurkundet, von ermächtigten Stellen bezeugnisst oder von anerkannten Behörden ausgewiesen sein. Dann lässt er sich einfach kopieren und abheften, der Bürokrat kann ihn der Akte zur Person hinzufügen.

orginalSo wird der Tatbestand zum Verwaltungsakt und kann in der Summe Behörden, Verwaltungen, Ämter und Ministerien rechtfertigen. Immer das Wohl der Bürger im Auge und die Ordnung im System sicherstellend.

In der Bürokratischen Republik ist die Zentrale der bedeutendste Ort. Dabei darf sich der unbedarfte Reisende jetzt keinen gewaltigen Palast im Herzen der Bürokratie vorstellen. Um einen reibungslosen Erhalt grundsätzlicher Strukturen zu gewährleisten muß ein Basisdokumentenstrom gesichert sein. Die Lösung ist eine dezentralisierte Zentrale. Die verschiedenen Zentralregister und zentralen Meldebehörden können dann umständlich verwaltet werden, zum Schutz der Daten. Bereits bei der Planung wird sichergestellt, dass sinnvolle Informationsvernetzung nur nach ausführlichem Antrags- und Genehmigungsverfahren möglich ist und dies natürlich immer nur für den jeweiligen Einzelfall. Das A,B und C einer vitalen Bürokratie.

Aus den Bundeszentralen wird dann Zuständigkeit und Befugnis an Landeszentralen und endlich an kommunale Verwaltungen delegiert.

Der Reisende stellt sich der heimischen Bürokratie mit einem Stammdatensatz vor. Jede spätere Abweichung von bereits erfassten Daten führt umgehend zu einer Fehlermeldung im bürokratischen Grundsystem und hemmt den wohlwollenden Prozeß zur Einbürokratisierung.

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