Eine Portion Geschwurbel

Ich könnte den Kühlschrank viele Tage im Jahr ausschalten. Selten hat er mehr als eine Tube Senf und eine Plastikflasche Ketchup zu kühlen. Ich lebe mehr so von der Hand in den Mund und schaue jeden Tag, wie sich Angebote und Appetit zusammenbringen lassen. Mir liegt die Vorratshaltung nicht. Weder von Hamster noch vom Eichhörnchen lasse ich mich da beirren.

Bei den Mahlzeiten halte ich mich an keine Regelmäßigkeit.

Ich Frühstücke ganz selten und wenn, dann gerne so gegen 15 Uhr. Das hat nichts mit dem Aufstehen zu tun. Mit dem Herd und seinen Möglichkeiten spiele ich gerne herum. Ich koche gerne und benutze auch Gewürze bis man sie schmecken kann.
Ich schätze die Abwechslung sehr. So ist es nicht mein Ziel einen Braten auf die immer gleiche Weise zuzubereiten, sondern mich freut es, wenn er jedes Mal deutlich anders lecker schmeckt.

rennweg
Bei meiner Oma war die Küche der Raum im Haus, wo man den ganzen Tag Leute treffen konnte. Und es gab auch immer was zu tun. Da die Nachbarn, wie die Oma, einen ordentlichen Garten hinterm Haus hatten und sie dort leckere Sachen anbauten, konnte man in der Küche auch eine ganze Menge über Lebensmittel lernen.

 
Da wurden, im Lauf des Jahres, Kohlrabi, dicke Bohnen, Brechbohnen, Erdbeeren, Kirschen, Äpfel, Birnen, Kopfsalat, Wirsing, Rot- und Weißkohl, Kartoffeln, Porree, Möhren und verschiedene Küchenkräuter angebaut, geerntet und zu leckerem Essen verarbeitet. Und obwohl oft 5-8 Menschen zum Essen zusammen kamen, kam der Haushalt mit einer kleinen Mülltonne aus.

Nahrung ist die Grundlage

Die moderne Großstadt ist ein Zweckbau. Der Zweck ist meist Produktivität und optimaler Güterverkehr, das menschliche Leben mit all seinen Bedürfnissen bleibt, unter den Bedingungen der Arbeitswelt, weiträumig unbeachtet.

Die Küche ist zur Kochnische verkümmert.

Er kam prinzipiell zu spät, da sein Grundsatz lautete, Pünktlichkeit stehle einem die Zeit. Oscar Wilde, Aphorismen, Kindle Edition

Die Kartenrunde meiner Eltern traf sich in der Küche. Ich wollte wissen, warum man es sich zum Spiel nicht im bequemen Wohnzimmer einrichtete. Das ich durch die Wand die Gespräche aus dem Kinderzimmer einfacher belauschen konnte, offenbarte ich nicht. In der Küche sei man näher am Kühlschrank und wenn einmal ein Getränk umfiel, hätte man gleich alles zur Hand, um das Unglück zu bekämpfen. Ich ließ meinen Traum von der Überwachung fahren und zeigte mich begeistert, angesichts dieses unschlagbaren Pragmatismus.

In meiner Küche könnte ich zwei Stühle unterbringen, dafür müsste ich auf die Arbeitsfläche verzichten.

FeuerplatzDie Küche und das Lagerfeuer sind nahe Verwandte. Es fällt leicht, sich auszumalen, welche Rolle das Lagerfeuer im Leben unserer Vorfahren gespielt hat. Man war sicher, konnte sich die Erlebnisse und Herausforderungen des Tages berichten und bereitete gemeinsam eine Mahlzeit zu.

In den Wochen, die ich als Kind in der Stadtranderholung verbracht habe, wurde mir von den freundlichen pädagogischen Begleitern mit Gitarre und Mundharmonika viel Lagerfeuer-Romantik vorgeführt. Und ich kaufte mir eine Maultrommel.

Dazu gab es eine Menge Liedgut aus der Mundorgel. „Die Mundorgel ist ein in Deutschland bekanntes Fahrten-Liederbuch. Es ist als Text- und Notenausgabe erhältlich. Die Mundorgel erscheint im Mundorgel-Verlag, dessen alleiniger Gesellschafter der CVJM-Kreisverband Köln e. V. ist.“ – wikipedia.org/wiki/Mundorgel_(Liederbuch)

Beachtet man die enorme historische und soziale Bedeutung der Mahlzeit und ihrer Zubereitung, könnte man die Küche für eine Säule unserer Kultur und Gesellschaft halten. Dem wird das moderne Nahrungserwährmungsräumchen sicher in keiner Weise gerecht.

Ich verbleibe mit einem Appell für mehr Küchenflächen in modernen Wohnanlagen und Nutzgärten auf Dachflächen.

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