Der Chef vom Vatikan

Der war im

Benedikt XVISo stand es geschrieben und so musste es dann auch kommen. Wäre doch auch unhöflich gewesen Benedikt XVI kurz vor der Tür und nach der langen Reise wieder auszuladen.
Der Bundestag hat sich ja auch schon andere für einen Redebeitrag eingeladen, da war die Welt auch nicht von untergegangen.
Nelson Mandela, Wladimir Putin, Kofi Annan und auch Bush&Bush waren da.

Ich war ja nicht begeistert von dem Besuch, doch weiß ich um meinen Einfluss in solchen Dingen. Mit etwas Abstand kann die Rede an einem schlaftrunkenen Sonntag noch einmal über den Bildschirm plätschern. Die roten Schläppchen stehen ihm schon. Ansonsten ist der Papst ja eher schlicht und für das Alter auch praktisch gekleidet. Ich kann mir nicht vorstellen, das er mit diesem Kostüm die Mode in Deutschland aus der Bahn bringt.

Jetzt bist Du sicher schon ganz neugierig geworden und ärgerst dich ganz grün, weil Du die Rede des katholischen Oberhirten nicht gesehen hast! Als erfahrene Youtubse weißt Du was kommt:

Ein positivistischer Naturbegriff, der die Natur rein funktional versteht, so wie die Naturwissenschaft sie erklärt, kann keine Brücke zu Ethos und Recht herstellen, sondern wiederum nur funktionale Antworten hervorrufen. Das gleiche gilt aber auch für die Vernunft in einem positivistischen, weithin als allein wissenschaftlich angesehenen Verständnis. Was nicht verifizierbar oder falsifizierbar ist, gehört danach nicht in den Bereich der Vernunft im strengen Sinn. Deshalb müssen Ethos und Religion dem Raum des Subjektiven zugewiesen werden und fallen aus dem Bereich der Vernunft im strengen Sinn des Wortes heraus. Wo die alleinige Herrschaft der positivistischen Vernunft gilt – und das ist in unserem öffentlichen Bewußtsein weithin der Fall –, da sind die klassischen Erkenntnisquellen für Ethos und Recht außer Kraft gesetzt. Dies ist eine dramatische Situation, die alle angeht und über die eine öffentliche Diskussion notwendig ist, zu der dringend einzuladen eine wesentliche Absicht dieser Rede ist.

Der Papst spricht über Vernunft und Natur. Damit ist der Mensch und sein Schicksal nicht vollständig zu erklären. Man kann ja auch wohl nicht erwarten, dass er wegen so ein bisschen Naturwissenschaft die Errungenschaften seiner Kaste zum Schlußverkauf vor die Garage räumt.
Das wir phantasieren, neugierig und kreativ sind, aber auch unser Wahnsinn und die Gewalt mit der wir uns begegnen machen uns als Wesen und Menschen aus. Die Wirklichkeit unserer Gefühle und die Macht mit der sie unser Leben bestimmen werden durch funktionale Erklärungen ja nicht weniger zauberhaft, es braucht nur keinen Gott mehr, dem man Ziegen und Schafe opfert.

Wer sich die Rede des deutschen Kirchenoberhaupt gerne als Text vor die eigenen Augen nehmen möchte, kann sich mit
http://www.bundestag.de/kulturundgeschichte/geschichte/gastredner/benedict/rede.html
helfen.

Im Augenblick bin ich mir sehr sicher, dass von der katholischen Kirche keine Bedrohung mehr ausgeht. Ihr Personal ist zäh, doch wird sie ebenso in Vergessenheit geraten wie die FDP.

Verwandte Artikel

7 Gedanken zu “Der Chef vom Vatikan

  1. Es ist für mich sehr merkwürdig zu sehen, wieso man sich derart über Papst und Kirche „empören“ kann. Es steckt schon mehr dahinter, wenn mehr als eine Milliarde Menschen weltweit katholische Gläubige sind und einen noch viel gewaltigerer Anteil der Menschheit (die Mehrzahl) spirituell ist und einer Glaubensrichtung angehören. Albert Einstein war ebenso davon überzeugt, nicht an Gott zu glauben wäre genauso fatal, wie es zu tun. Es sind also keine dummen, verblendeten, Idioten, die an den Weihnachtsmann glauben, welche sich dem Spirituellen verbunden fühlen, und nachweislich sind gläubige Menschen sehr viel weniger von Depression , Suizid, Herz- und Kreislauferkrankungen betroffen. Es liegt auf der Hand warum! Sicher kann die Institution Kirche hinterfragt werden, doch sollten wir nicht vergessen, dass auch unser deutsches Grundgesetz auf christlichen Werten beruht. Und Gnade uns Gott, wenn wir glauben, wir würden ohne Werte auskommen. Ein gutes Beispiel ist die Anbetunng des goldenen Kalbes – was für eine wunderbare, immer noch aktuelle Metapher, wenn man sich mal die aktuelle Situation in der Welt ansieht, in der der parasitäre Kapitalismus inzwischen ganz ohne Werte auskommt.

    Eigentlich wollte ich zu diesem Thema nicht kommentiern, aber da ich dein Blog nunmal lese und es mich zunehmend „verletzt“, wie respektlos mit dem christlichen Gedanken umgegangen wird (egal von wem), dann musste ich einfach mal etwas sagen. Manchmal ist es besser, zu schweigen. man muss nicht alles und jeden verstehen, aber wiederholt auf etwas herumzuhacken, wozu einen keiner zwingt, ist für diejenigen die sich damit verbunden fühlen demütigend. Es ist auch auffallend, das Menschen die ein persönlichen Krieg gegen die Religion führen meist sehr verbittert wirken, während der Gläubige Christ (meistens) ziemlich entspannt und lächelnd dem gegenübersitzt. Achte mal darauf, wenn du solche Auseinandersetzungen beobachtest.

    Ich musste das mal loswerden und würde dir gerne noch ein Lied mit auf den Weg geben http://www.youtube.com/v/HqG1Dh36-6s&fs=1&source=uds&autoplay=1

    LG Elena

    AntwortenAntworten
  2. Liebe Elena, ich bin froh dass Du dich äußerst. Ich möchte schon auch provozieren, doch verletzen möchte ich wirklich niemanden. Ohne andere Meinungen kann man ja nicht diskutieren und das würde mir fehlen.
    Dein Kommentar berührt mich an drei Punkten, zu denen ich dann auch noch ein paar Worte machen möchte.
    Der erste Punkt ist der unserer Werte im Leben. Da hat die Religion viele Jahrtausende ein Monopol inne gehabt und wir sind es gewöhnt unsere Ideale über diese ausgetretenen Pfade zu entdecken. Irgendwo zwischen meinen Urgroßeltern und mir ist die Tradition römisch-katholische Werteorientierung abgebrochen.
    Meine Tochter wächst nun in religiöser Freiheit auf und ist die erste Generation in meiner Familie, die sich Lebenswerte und Überzeugungen ohne religiöse Grundwerte aneignet. http://giordanobrunostiftung.wordpress.com/2009/03/17/ethik-ohne-religion/ und http://gottlos.blog.de/2007/07/26/gibt_es_eine_ethik_ohne_religion zeigen, daß ich mit dem Bedrüfnis nach einer Ethik der Aufgeklärten nicht ganz alleine im Raum stehe.
    Der zweite Punkt ist meine Haltung zu Kirche und Papst. Ich wurde am dritten Tag meines Erdenlebens für die katholische Kirche getauft. Schon im frühen Religionsunterricht, bei Kommunion und Firmung hatte ich mit meiner Religion schwer zu tragen. Ich habe mehrere Bibelstudien unter Anleitung im glauben gefestigter Menschen unternommen. Die kritischen und geistreichen Gespräche mit Frater Bernd Barthel sind mir noch immer deutlich im Gedächtnis. Kurz nach meinem achtzehnten Geburtstag bin ich dann aus der Kirche ausgetreten. Mit Vorsatz, nach langem Nachdenken und begründet.
    Ich fühle in mir auch eine spirituelle Kraft am Werk. Etwas das mich glauben lässt, die Welt stehe in einem bewußten, gemeinsamen Kontext. Ich habe mich jedoch von dem belasteten Ritus getrennt und komme für mich mit zwei Grundsätzen weiter: Mache dir kein Bild und keine Vorstellung von Gott; Die Liebe ist das Wichtigste.
    Und als dritten und hier letzten Punkt, möchte ich vorschlagen das Thema nicht zu weit zu fassen. Religion und Glauben, Werte für ein menschliches Zusammenleben und Katholische Kirche und Bibel verdienen es gesondert ins Auge gefasst zu werden.
    Geschätzte Elena, ich danke Dir für die vielen anregenden Gedanken. Das Du mit Geist und Gefühl kommentierst nehme ich gerne an. Und sei bitte versichert, das ich Dich nicht verletzten möchte.

    AntwortenAntworten
  3. Pingback: Nicht spurlos

  4. Ich war wohl etwas dünnhäutig. Was vielleicht auch daran liegt, dass man sich heutzutage für den „Glauben an das Gute in jedem einzelnen Menschen“ viel zu häufig rechtfertigen muss. Ich bin sicher keine Papstverehrerin, aber ich weiß, er tut was er kann, ach bestem Wissen und Gewissen und sein Amt ist, nach dem des amerikanischen Präsidenten, eines der Schwersten auf dieser Welt. Er ist ein alter Mann, mit Idealen und einem standhaften Glauben an christliche Werte. Er vertritt sie unbeirrt. Das ist bewundernswert. Es obliegt jedem Individuum, was er oder sie davon annehmen können, was übeholt ist und was immer aktuell bleiben wird. Es gibt also keinen Grund demütigende Äußerungen über den Mann und sein Amt zu machen. Du hast das ja auch nicht gemacht, ich hab nur auf deine Kritik etwas überreagiert. Vielleicht weil ich es manchal leid bin zuzusehen, wie Sozipathen (in Politik, Wirtschaft oder Showbiz) bewundert werden und Menschen, die sich und ihr Leben für etwas opfern, was man gemeinhin als das „Gute“ bezeichnet. Unzählige Nonnen in Afrika ins Lächerliche gezogen werden oder als dumm bezeichnet (sie sind auch schon lange keine Missionarinnen mehr, sondern unentnehrliche Hilfe), und -diakonische Einrichtungen, Suppenküchen für Obdachlose, Kleiderausgaben usw. – es gibt auch Nonnen, die Kondome verteilen! Diese Motivation, die Liebe zu Gott und somit zum Menschen kann niemals eine schlechte sein. Fundamentalisten und Fanatiker gibt es in jedem Bereich des Lebens und nciht nur in der Religion, aber der Mensch ist und bleibt nun einmal fehlbar. Ich bin allerdings der Meinung, dass wir ganz ohne Gott (ohne das Gefühl der bedingungslosen Liebe) ganz schön orientierungslos dahinsuchen würden, denn jeder braucht ein zu Hause und zu glauben eine Famile oder der Partner (allein) könnte das leisten, naja, da erklärt sich natürlich, das immer häufigere Scheitern der Institution Ehe und Familie.

    Aber das ist nur meinen ganz bescheidene Meinung und im Laufe meiner Arbeit in der Psychotherapie mit Opfern von Straftaten und EBENSO mit Straftätern, hat sich meinen Weltsicht und meine Sensibilität den Religionen gegenüber verändert. Wie wichtig Vergebung und Vergeben (gerade für die Seele, Psyche) ist kann kaum einer Ermessen.

    AntwortenAntworten
  5. Mir fällt es einigermaßen schwer die von Dir, geschätze Elena, eingebrachten Fragen und Gedanken zu kommentieren. Da schwingt soviel Gefühl, Überzeugung und Idealismus mit, das mir schon ein bisschen schwindelig wird.
    Unsere Diskussion berührt Herz und Verstand gleichermaßen und wächst sich ordentlich aus. Ich möchte daher folgendes vorschlagen:
    Eine thematische Trennung in die Bereiche ‚Papst und Kirche‘, ‚Religion‘ und ‚Spiritualität‘.

    Unter Spiritualität verstehe ich die Fähigkeit jedes Menschen zu Mystizismus und Metaphysik. Wir können uns die Welt auch anders, als durch Physik verknüpft vorstellen. Dann ahnen wir einen Willen hinter den Dingen und einen Geist über den Wassern. Eine spannende Fertigkeit, die für viel Verwirrung und Ärger sorgen kann, genauso wie sie den Menschen zu sinnvollem und ethischen Handeln befähigt. In der Spiritualität finden wird Liebe und Mitgefühl.

    Religion ist die Organisation von Spiritualität in Regeln, Kult und Ritus. Mit Religion versuchen wir unsere, Spirituellen Leben eine äußere Form zu geben und bemühen uns Glaubenswahrheiten und Erkenntnisse für folgende Generationen zu konservieren. Religion sammelt auch Methoden und Prozesse, die die eigene Spiritualität steuern und auf gemeinsame Ziele ausrichtet.

    Kirche ist die institutionalisierte Form religiöser Spiritualität. Ein Verein zum Schutz und Ausbau des Einfluss und der Macht einer Priesterkaste.

    Mit dieser Kategorisierung habe ich in den vergangenen Jahren sehr gute Erfolge darin erzielt mir die Welt des Glaubens verständlicher zu machen. So bin ich in der Lage mich zu einem gottlosen Gegner jeder Kirche zu erklären und muss gleichzeitig meine tiefe Spiritualität nicht verleugnen.
    Wenn Du dieser Vereinfachung folgen kannst, können wir uns gerne noch intensiv über den Papst und seine Rede austauschen. Ich fürchte nur, ohne eine derartige Gliederung, werden wir uns schnell missverstehen und uns bekämpfen wo es nicht nötig ist.

    AntwortenAntworten
  6. Ich wollte mich eigentlich gar nicht einmischen, weil ihr beide auf Eure Euch eigene Weise wunderbar argumentiert. Ich werde es dennoch ganz einfach formulieren.

    Ich glaube an Gott, fühle mich als Christin der Kirche jedoch schon lange nicht mehr verbunden und werde austreten.

    AntwortenAntworten
  7. PS @Elena

    das Lied ist wunderschön und absolut auf den Punkt gebracht. :-)

    AntwortenAntworten

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>