Alarm! Zeitfresser!

Das Phänomen der verschwendeten Zeit.

Haben wir ein Organ, mit dem wir Zeit messen können? Oder ist das Zeitempfinden eine psychische Einbildung. Anders formuliert, dem diffusen dahinfließen im Dasein versucht die Psyche eine Gestalt zu geben, unser Zeitgefühl. Mehr als ein Gefühl ist es nicht, das wir von der Zeit haben. Und je nach der Lebenssituation, in der wir gerade stecken, empfinden wir Zeit verschieden schnell vergehen.

Wir modernen messen den Abfluss der Zeit inzwischen atomgenau und bis auf viele Stellen jenseits von Minuten und Sekunden.

Wir teilen uns die Zeit gerne ein. Lebenszeit gliedert sich in Arbeitszeit, Schulzeit, Ausbildungszeit, die Zeit der ersten Liebe und den Lebensabend. Jede Situation und jedes Ding hat seine Zeit. Da die Zeit des Einzelnen begrenzt ist und sich kaum einer seiner Gesamtzeit bewusst ist, ist Zeit sehr kostbar. Vielleicht einer der kostbarsten Schätze, die ein Mensch besitzen kann.

Was ist Zeit? Ich denke, dass bisher noch keine treffende Antwort gefunden wurde. Wir nähern uns an und machen uns derweil einen tauglichen Begriff von der Zeit, soweit unsere Auffassungsgabe reicht.

Dieser unscharfe Eindruck von unserer persönlichen Zeit soll uns genügen, um uns mit aller Vorsicht den Zeitfresser in unserer Umgebung zu nähern.

Eine wunderbare Sensibilisierung kommt aus Österreich. Eine Überlegung zum Online Rollenspiel World of Warcraft als Video auf Youtube:


YouTube – Der Zeitfresser Part 1/3 YouTube – Der Zeitfresser Part 2/3 YouTube – Der Zeitfresser Part 3/3

Rund 25 Minuten, in denen ein kritischer Blick auf den Zeitvertreib des Rollenspiels im Internetz geworfen wird. Millionen Menschen verlieren sich in Alkohol, Drogen, Daily Soap, irrealen Onlinewelten oder eine verwandte Weltflucht. Dass so viele Menschen sich ‘ausklinken’ alleine ist schon Besorgnis erregend.
Aus dieser Position zurückblickend, habe ich schon sehr viel meiner Lebenszeit verschwendet. Und die pixelige Welt der Kriegskunst ist als ein erster Zeitfresser entlarvt.

Die Lebenszeit läßt sich also verschwenden. Dem gegenüber steht dann die nutzbringend verbrachte Zeit, wobei sich über den Nutzen herrlich diskutieren lässt.

“10 Mönche sitzen 10 Jahre lang vor einer grauen Mauer und ringen um Einsicht. Einer findet Erleuchtung, haben die übrigen 9 ihre Zeit verschwendet?”

>Bei Facebook kann man ganz schön Zeit verpushen.<

Da haben wir ja wieder einmal ganz schön Zeit aus dem Fenster geworfen. Weder hat es uns etwas eingebracht, noch diente es der Bildung. Eigentlich haben wir die Zeit wieder mit sinnlosem Maushantieren vertan. Facebook ist da ein Bündnis mit Zynga eingegangen und auf Facebook wimmelt es nur so von Spielen.

Alle zum Einstieg kostenfrei, doch gespickt mit Verlockungen, die einen virtuell zur echten Geldausgabe verführen möchten.

Auf drei habe ich mich eingelassen und will ausprobieren, welche Erfahrungen ich damit in vier Wochen sammele. CaféWorld, Farmville und FrontierVille heißen die , die sich zuerst einmal einen ordentlichen Zugriff auf mein Profil und mein Facebook sichern.

Für jedes Stück das ich preisgebe, winkt eine kleine Belohnung im Spiel. Wie kann man dieser Verlockung wohl widerstehen.

Schneebälle rollen im digitalen sozialen Netzwerk. Nicht jeder hat seinen Spaß daran, doch mal ganz im Ernst, was erwartet man auf Facebook zu finden?

Die Menschen in der Freundesliste des Infizierten merken es sehr schnell, dass man sich mit einem der Spiele oder gar mit mehreren angefreundet hat. Es hagelt mit einem Mal an Mitteilungen über den Spielfortschritt.

FarmVille beschert dem Spieler zunächst einmal ein grünes Quadrat irgendwo im grünen Nichts. Hier kann man nun Bäume pflanzen, Tiere betreuen und Felder bestellen. Bei allem Tun sammelt man neben Erfahrungspunkten auch diverse Sammelgegenstände und nützliche Belohnungen. Aus Freunden werden schnell Farmnachbarn und schon kann man sich helfend unter die Arme greifen und immer wieder nette Geschenke an die Gegenseite verschicken.

Bei jedem Erfolg gibt es immer wieder die Möglichkeit eine Benachrichtigung auf Facebook auszustellen. – Das muss nicht jedem Freude bescheren. :-) Die ersten Freude reagieren bereits am zweiten Tag etwas genervt.

Ich für meinen Teil verbringe einen ordentlichen Teil meiner Zeit damit, meine Zeit zu verschwenden. Vielleicht zählt es als Rückvergütung, wenn ich mir jetzt einen schweren Kopf mit meinem Zeitmanagement mache. In der Mitte des Lebens soll ja ein guter Platz sein, um über die eigene Zeitverwendung einmal gründlich nachzusinnen.

Die Spielchen auf Facebook haben einen nicht zu unterschätzenden Suchtfaktor. Ähnlich wie die großen Brüder WoW und Herr der Ringe online (HdRo) arbeiten sie mit dem Prinzip, eine Menge kleiner Erfolge und Belohnungen anzubieten, die den Spieler motivieren. Ein nicht unerheblicher Suchtfaktor liegt darin, mit einer festen Gruppe anderer Menschen zusammen zu spielen. Das schafft Verbindlichkeiten und erhöht die Motivation. Wie in der Dokumentation aus Österreich deutlich wird, kann das für einige Menschen zum Ersatz für die klassischen Formen eines Bekanntenkreis werden.

Bei diesen Zeitfressern wird einem die Zeitverschwendung wohl am deutlichsten vor Augen geführt. Doch lange nicht alle Zeitfresser sind bunt und laden zum Spiel ein. Es gibt noch ganz andere, heimtückischere Möglichkeiten seine Zeit nutzlos zu vertun. Bei den Spielen jedoch, steckt neben dem eigenen Antrieb, Zeit zu verschwenden, auch noch das ausgefeilte Motiv des Spieleanbieters daran Geld zu verdienen. Distributoren und Entwickler verdienen eine ordentliche Stange Geld mit der Spielsucht und der Weltflucht einer großen Masse Menschen. Mit den einfachen Mitteln der Mathematik kann man sich rasch eine Ahnung davon machen, um welche Dimension es dabei geht. 10.000.000 Millionen Menschen spielen alleine WoW und zahlen dafür rund 12 Euro im Monat, das sind 120.000.000 Millionen Euro im Monat.

Wenn diese 10 Millionen dann je drei volle Stunden mit dem Spiel verbringen, sind das 30 Millionen Stunden täglich oder 10.950.000.000 Stunden im Jahr. In einem Jahr stehen einem Menschen rund 8760 Stunden zur Verfügung. Das bedeutet, wenn ich die Tasten am Rechner richtig bedient habe, das die Spielleistung beim World of Warcraft im Jahr der 24/7-Leistung von 1.250.000 Menschen entspricht.

Wenn man an dieser Stelle einmal kurz inne hält und sich vorstellt, was man auf der Erde verändern könnte, wenn sich 1 Million Menschen 24 Stunden täglich ausschließlich und mit Hochdruck einer Sache widmen! Ich denke der Hunger in der Welt hätte keine Chance.

Den Gedanken werden wir noch vertiefen, das scheint mir keine Zeitverschwendung.

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