Google Street View

Ein Dienst spaltet die Bevölkerung! Wo beginnt und wo endet die private Sphäre?

erweitert die Möglichkeiten von Maps und plötzlich wird aus der gefälligen Suchmaschine die Speerspitze der bösen Mächte, die nur eines im Sinn haben: unsere Daten zu stehlen und gegen uns zu mißbrauchen.

RP-Online berichtet über die aufkeimenden Bürgerproteste gegen Street View in Düsseldorf.

Viele Düsseldorfer Bürger möchten diese Möglichkeit nutzen. „Ich sehe gar nicht ein, dass jemand ohne mein Einverständnis mein Haus fotografiert“, sagt Ludwig Hillesheim aus Wersten. „Wir wissen ja noch gar nicht, ob dabei nicht auch die Grundstücke selbst und die Gärten zu sehen sein werden.“

Zunächst bin ich mal ganz naiv. Was ist denn schon dabei, wenn man sich via Google virtuell vor meine Haustüre stellen kann und dann einen 360° Blick auf mein Umfeld wirft?

F!XMBR wirft zunächst einmal die grundsätzliche Frage auf, ob uns der Journalismus bei der Beantwortung der Frage wirklich helfen kann, oder ob da nicht ganz andere Interessen die Meinung bilden. Im Thread des Artikel findet sich ein Kommentar von Arno Nym, der meine erste Position wunderbar in Worte kleidet:

Dass das mieser Journalismus ist, sehe ich ein. Aber warum wurde nicht schon generell das Betreten von Nicht-Hauptverkehrsstraßen für alle, die keine schriftliche Erlaubnis von Anwohnern haben, verboten? Es gibt viele Gründe, warum das Betreten von Straßen durch Nicht-Anlieger gefährlich ist:
– Man kann beim Durchlaufen oder –fahren Informationen über künftige Einbruchsziele sammeln
– Man sieht Menschen, die sich auf der Straße aufhalten oder dort Autos parken – und das sogar in ECHTZEIT!
– Man kann sich in ungeschützte und schlechtgeschützte WLAN-Netz einHACKEN!
– Man kann Werbung in Briefkästen werfen, durch die man womöglich noch diese datenschutzrechtlich sehr bedenkliche Aktion finanzieren will
– Die vielen bösen Petoviehls können auf Spielplätze, in ungeschützte Einfahrten oder auf Garagenvorplätze schauen und sehen da spielende Kinder, die mit SICHERHEIT ihre nächsten Ziele sein werden
– Niemand hat die Möglichkeit sich vor diesen böswilligen Passanten zu schützen! Ihre Rundgänge und –fahrten sind nicht vorangekündigt, auf Bitten bestimmte Straßen zu meiden reagieren sie nicht und gesammelte Informationen, Erinnerungen und Eindrücken bewahren sie mitunter ewig auf.

Zuerst einmal die extremen Positionen abstecken, dann ist das Feld für den Diskurs bereitet. Google selbst stellt sich schon einmal 5 Fragen zu Google und Street View und gibt auch gleich Antworten dazu. Das müssen wir natürlich nicht glauben, doch wenn man sich erst einmal der Verschwörungstheorie hingibt, dann bleibt kein Raum mehr irgendetwas zu diskutieren.

Was mir gleich in den Kopf kommt, dass der Neid und der Unverstand sicher eine bedeutende Rolle spielen könnten. Google, das steht für wirtschaftlichen Erfolg mit einfachen und einfachsten Mitteln. Zugleich hat Google in einem Medium Erfolg, welches für viele Menschen noch ein schier unvorstellbarer und unberechenbarer Moloch ist.
Das Internet ist lange kein rechtsfreier Raum mehr, wie uns Bettina Wiesemann in ihrem Artikel bei Telepolis „Verglichen mit dem Netz ist das Leben ein rechtsfreier Raum“ deutlich vor Augen führt.

Man merkt schon ein bisschen das ich Street View klasse finde. Wenn ich wüßte wann der Mann vom Google vor meiner Tür steht und knippst, dann würde ich mich auch davor stellen und winken.

Selbst aus Reihen der Politiker beteiligen sich so manche an der Panikmache. Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) ruft laut Stern auch offen zum Widerstand auf und will ihre Häuser „pixeln“ lassen.

Ein Abbild der Realität – offensichtlich eine Horrorvision für Politiker, Datenschützer, Kriminalbeamte und Hausbesitzer, die gegen Google Sturm laufen. Die Hype-Spirale dreht sich erneut nach oben. Ihre Grundlage: keine.

schreibt im Fokus Alexander von Streit.

Google räumt ja die Möglichkeit ein, das eigene Hab und Gut ausblenden zu lassen. Mal sehen, ob derart ausgegraute Objekte nicht deutlich mehr Aufmerksamkeit anlocken, als es ein scharfes Bild macht, das schneller veraltet, als man sich vorstellt.
Die Möglichkeiten vor dem Kauf oder der Anmietung einer Wohnung oder eines Hauses die Umgebung virtuell zu durchwandern oder sich schon einen Anblick des nächsten Urlaubsziels zu erhaschen, sind Anwendungen die mir recht spontan in den Sinn kommen.

Ich glaube, das der Tumult um Street View von Google nur von Themen ablenkt, in denen ein Sturmlauf von Datenschützern, Politikern und Bürgern weitaus angebrachter wäre. Einer der Fälle, in den die Öffentlichkeit gerne etwas mehr Aufmerksamkeit investieren dürfte ist, wie Daten von Migranten und Hartz-IV-Empfängern zum behördlichen Freiwild werden:

Wirklich um ihre Daten fürchten müssen andere. Das Projekt Datenschutz zählte im ersten Quartal des Jahres 18 gravierende Fälle konkreter Verletzungen. Einmal verschwand eine Liste mit persönlichen Daten und Diagnosen aus einer psychiatrischen Klinik. Ein anderes Mal verschickte die Gemeinde Senden versehentlich Daten von 400 Hartz-IV-Empfängern an falsche Adressen. Besserverdiener traf es so gut wie nie, während Pannen in Sozialbehörden System zu haben scheinen.

Unsoziale Datenschützer, Zeit online.

Ich freue mich schon mal auf die neuen Funktionen bei Google Maps und hoffe, das Du deine Haltung zum einmal überdenkst.
Bis die Tage.

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4 Gedanken zu “Google Street View

  1. Für mehr als FUD oder Neid hat es also nicht gelangt. Sorry, aber Unverstand manifestiert sich hier in ein nie dagewesenen Größenordnung. MERKE: nicht alles was hinkt ist ein Vergleich.

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  2. Hallo Oliver, danke für Deinen Kommentar. Ich muß jedoch gestehen, dass ich den Inhalt nicht verstehe.

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  3. Pingback: Zum Glück haben wir F!XMBR | Ixiters Welt

  4. Hallo ihr kritischen Netzbewohner,

    Panikmache gilt nicht. Und danke für die netten Kommentare via Email.

    Natürlich hat ein jeder ein Recht auf seine persönliche Befindlichkeit und niemand kann einen verpflichten etwas gut zu finden, mit dem man sich nicht wohlfühlt. Dazu gibt es ja die Möglichkeit Google von der etwaigen Benutzung von Bildmaterial, das die eigenen Persönlichkeitsrechte tangiert, abzuhalten.
    Sehr informativ und daher hier noch nachgereicht, ist der Beitrag von den Rechtsanwälten Wilde, Beuger & Solmecke Google Street Vier: Eingriff in die Persönlichkeitsrechte und Datenschutz oder unbedenklicher Service?
    „Etwas anders fällt die rechtliche Beurteilung hinsichtlich der Aufnahme von Häuserfassaden aus. Denn letztlich wird hier lediglich ein Gegenstand abgebildet. Sachen selbst genießen aber keinen persönlichkeitsrechtlichen Schutz. Auch das Eigentum wird durch ein bloßes Foto nicht verletzt. „

    Die Anwälte verfügen über den juristischen Durchblick, der uns Alltäglichen ja oft verstellt ist, weil uns schon der gewohnheitsmäßige Zugang zur juristischen Sprache fehlt. Und ihnen bleibt auch die populistische Polemik mancher Widerstandsbewegung nicht verborgen:
    „Offenbar ohne einen Blick auf die tatsächliche Rechtslage scheint der öffentliche Aufschrei in Medien und Verwaltung unter dem Deckmantel der angeblichen Wahrung der Bürgerinteressen vor allem die eigene Profilierung auf dem Radar zu haben.“

    „Bei dieser massiven Kritik an Street View wird jedoch verkannt, dass auch die „Gegenseite“ ein legitimes Interesse verfolgt. Die moderne Gesellschaft hat durchaus Verwendung für einen Kartendienst wie Google Street View. So sieht man sich doch gerne im Vorfeld mal die Lage des Urlaubshotels oder vor der Besichtigung die Umgebung der angebotenen Mietwohnung an.“

    Sich den rechtlichen Istzustand vor Augen zu führen, hilft vielleicht die Debatte über Street View wieder auf den Boden von Meinungen und Neigungen zurück zu führen. Das ich mir das Angebot von Google als treffliche Ergänzung meiner Online- und Lebensgewohnheiten vorstellen kann, macht mich nicht zu einem Jünger vom Grossen Bruder oder zu einem Liebhaber eines durch STASI oder Ähnliches kontrollierten Staatssystem.

    „Geltendes Recht steht Street View demnach also nicht entgegen. Zuzugeben ist aber sicherlich, dass mit Google Street View ein Produkt in Deutschland eingeführt werden soll, das es zuvor in diesem Umfang nicht gab. Die Masse an Bildmaterial ist tatsächlich überwältigend – so soll Google mehr als 1 Petabyte Rohdaten gesammelt haben. Doch dadurch wird ein an sich legaler Dienst nicht rechtswidrig. Die schiere Datenmasse erhöht nicht die Eingriffsintensität beim Einzelnen. Die weltweite Verfügbarkeit einer fast unendlichen Zahl an Dateien ist das Kernmerkmal der digitalen Revolution. „

    Der Artikel sei Dir wärmstens empfohlen und ans Herz gelegt. Und, wie ich in meinem Artikel hoffentlich anklingen lassen konnte, sehe ich Datenschutz und Persönlichkeitsrechte durchaus in großer Gefahr, jedoch orte ich die Gefahrenquellen an gänzlich anderen Orten.

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