Projekt42 – Salz

projekt42Ein neues Wort, sich damit spontan zu plagen: Salz. Ein Wort, das in unserer Sprache einen wichtigen Platz inne hat. Auch wenn mir zuerst eine ganze Menge über Essen und die Haltbarmachung des selben in den Kopf kommt, so ist es auch in übertragenem Sinn ein oft gebrauchtes Wort. Wenn man noch etwas im Salz liegen hat, dann hat wohl jemand noch eine Rechnung mit einem offen und das hat man sich selbst zu zuschreiben. Dagegen kann man jemandem ordentlich die Suppe versalzen, wenn man dessen sorgsam gemachten Pläne und Absichten durchkreuzt.
Ein Märchen fällt mir ein, da hat eine Tochter ihrem Vater den Wert eines Sack Salz zugemessen und wurde dafür verstoßen. Der königliche Vater hatte wohl ein anderes Wertegefühl bezüglich der edlen, weissen Substanz. Im Altertum war Salz ein durchaus gültiges Zahlungsmittel und manche haben sich mit dem Transport des kostbaren Kristall eine goldene Nase verdient. Ganze Handelsrouten wurden für gutes Salz aufgebaut.

Wenn jemand die Mahlzeit versalzt, dann vermutet man gerne, daß er verliebt ist und gegen böse Geister und Dämonen hilft es eine gute Prise Salz über die Schulter zu werfen.
Als Kind, erinnere ich mich, machten wir einen Familienurlaub und besuchten dabei auch Salzburg und Umgebung. Wir fuhren dann in eine Saline ein. Ein großes Bergwerk, in dem schon seit früher Zeit wertvolles Salz abgebaut wurde. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir der Ausflug, da wir uns zu Beginn der Führung verkleideten, als seien wir Arbeiter dort und bekamen Lederschürzen umgebunden, deren Zweck sich mir erst heiß einprägte, als ich die erste Rutsche in die Tiefe benutzen durfte. War die Schürze nicht richtig zwischen Holz und Gesäß plaziert, wurde es mächtig warm an den Backen. Und am Ende standen wir vor Wänden, die wie aus Glasbausteinen gebaut wirkten, jedoch aus lauter Salzlecksteinen in verschiedenen Farben bestanden. Solche Lecksteine kannte ich bis dahin nur aus Kuh- und Pferdeställen.

Der salzige Pfad der Erinnerung führt mich dann nach Portugal. Da ist der Bacalhau, ein salziger Stockfisch, eine wunderbare Spezialität. Man kann ihn als Ganzes essen oder als leckere Küchlein zur Vorspeise geniessen. Und wiewohl mir der Fisch in Portugal hervorragend geschmeckt hat, war der Urlaub an sich ein ziemlicher Reinfall. Das lag weder an Land noch an den Leuten dort, allein meine Begleitung war schier ein Fiasko. In dem zu unrecht so gerühmten Hofbräuhaus in München fand ich die lauwarme, völlig versalzene Schweinehaxe dann eher Nepp, denn Leckerei.

Schmackhafte Erinnerungen habe ich auch an La Gomera. Vielleicht der schönste Urlaub meines Lebens mit Papas Arrugadas und dazu scharfe grüne oder rote Sosse, Mojo Verde o Rojo. Die kleinen Kartoffeln, die ein wenig an Lüneburger Heide erinnern, werden in Meerwasser gekocht und mit anhaftender Salzkruste serviert, dazu eine der leckeren Sossen. Man kann sich reinsetzen, so gut schmeckt das. Dabei hört man Meeresrauschen und sitzt unter Palmen. Das hat schon ein bisschen Paradies an sich.
Auch auf der Insel machte ich mit einer weiteren Leckerei Bekanntschaft. Bei einer Bootstour hinaus, um Wale, Delphine, Meeresschildkröten und Haie zu entdecken fing unser Bootsführer Bernd auf dem Rückweg einen Bonito. Ein kleiner Streifenthunfisch, den er am Abend in kleinem Kreis allein mit Zugabe von etwas Salz und Pfeffer auf dem Grill zubereitete. Das war mit Abstand der beste Thunfisch den ich bisher in meinem Leben gegessen habe und garantiert delphinfrei.

Soweit meine kulinarischen Impressionen zum Wort Salz. Von Laugenbrezeln und Salzstangen hab ich noch nicht geschrieben, doch werde ich auch meine Abneigung gegen gesalzenes Poppkorn nicht weiter vertiefen.

Meine merkwürdigste Anwendung mit Salz erlebte ich anlässlich eines wunderbaren Saunawochenendes, als meine Welt noch heil und schön war. Grobkörniges Salz wurde gereicht und wir Saunierer nahmen davon Hände voll und rieben uns die nackten Körper damit ab. Salzpeeling. Naja, zumindest das wird sich wohl nicht mehr wiederholen lassen – mein Arzt hat was dagegen.

Wer sich jetzt noch nicht so richtig eingesalzen vorkommt, kann ja mal bei ixiter lesen, was ihm dazu eingefallen ist. Ich brauche jetzt erstmal was zu Trinken.



2 Kommentare

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  1. Ein wunderbarer Beitrag! Beim Stichwort La Gomera und Kartoffeln mit Salzkruste und Mojo wurden auch bei mir alte und schöne Erinnerungen wach.

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