Weihnachten 2.0 – Geheimreport

Im neuen Jahrtausend hat sich ein altes Fest überlebt.

Da X-mas 2000 quasi schon vor der Tür steht, ist es höchste Zeit, mit der Weihnachtsvorbereitung zu beginnen – Verzeihung: das diesjährige Weihnachts-Roll-Out zu starten und die Christmas-Mailing-Aktion just in Time vorzubereiten.

Weihnachten 2000 werden bereits erste Versuche zu neuen Festmodellen vorgestellt. Ich versuche derweil die möglichen Geschenke und Beschenkten zueinander zu bringen. Zum Glück habe ich da nicht viel zu sortieren.

GeheimreportCarl Zuckmayer wird wohl in diesem Jahr auch wieder kein Zuhause finden.  Dabei hat der deutsche Schriftsteller zwischen 1896 und 1977 die wohl spannendsten Jahre der Deutschen miterlebt. Vom Kaiserreich über die nazionalsozialistische Diktatur, Weimarer Republik und Bundesrepublik, von der Reichsmacht über die Wehrmacht und zur Bundeswehr. Eine bewegte Zeit und ein bewegtes Menschenleben.
Der populäre und verehrte Zuckmayer schrieb, gewiss ohne Spekulation auf eine spätere Veröffentlichung, seine Ansichten und Urteile über Menschen nieder, die im „Dritten Reich“ Hitlers blieben und dort etwas galten.“ – schreibt Günther Rühle ausführlich in der Zeit.
150 Berichte über Menschen, die es einfacher fanden sich mit dem Nazionalsozialismus einzurichten, statt ihm Widerstand zu leisten. Vielleicht kein unbedeutender Einblick, wenn man wissen möchte, wie das alles nur möglich war!
Schade eigentlich, aber im Augenblick kenne ich keinen Menschen, der so tief in die jüngere deutsche Vergangenheit einsteigen möchte. Dabei war die deutsche in den letzten hundert Jahren eine spannende Zeit. Kaum eine europäische und globale Entwicklung hat spurlos passiert.

Die „Charakterologie“, über weite Strecken auch mehr Lesevergnügen als politische Theorie es sein könnte, zeigt exemplarisch den Opportunismus vieler Künstler in einer Diktatur; biographischer Kommentar wie Bibliographie sind nützliche Hilfsmittel für alle, die sich mit der Kultur im Dritten Reich befassen. Auszugsweise in der FAZ vorabgedruckt wie in allen großen Zeitungen positiv besprochen, deutet Zuckmayers Ansatz vielleicht auch darauf hin, womit man sich im Deutschland der Jahre 2002 und 2003 nicht so genau befassen möchte. – Kai Köhler bei C.H.Beck

ZuckmayerGeschenke liegen immer noch im Trend. Dahingehend hat sich 2K nicht sonderlich verändert. Vielleicht ist ja auf Deiner Verschenkliste noch ein Platz für den Geheimreport von Carl Zuckmayer. Wer den festen Einband nicht schätzt, findet das Werk als DTV-Taschenbuch vielleicht interessanter oder als Hörbuch vom NDR. Ich habe auch noch zwei aufklärende Rezensionen im Netz bei Lyrikwelt gefunden und eine ganze Samlung von Rezensionen bei den Perlentauchern. Ein Blick zur Carl Zuckmayer Gesellschaft ist auch zu empfehlen, der Autor des Geheimreport hat ja für Theater und Literatur mehr getan, als nur für die US-Amerikaner zu spionieren. Das nette Bild auf der rechten Seite liegt neben einigen anderen im Bundesarchiv.

Das 2. Jahrtausend hat bald seine erste Dekade hinter sich gebracht. Da mag ein Blick auf die alten Traditionen wertvoll sein, um zu erfahren, wie uns alte bekannte Feste und Riten im neuen 2.0-Gewand erscheinen. Weihnachten scheint bis jetzt nahezu unberührt. Immer noch werden Bäume gefällt, Kekse gebacken und Geschenke verpackt. Und das ist auch noch nicht aus der Mode. Es sieht alles danach aus, als habe das Weihnachtsprogramm noch nicht den letzten Ausverkauf veranstaltet. Gegen ein Geschäft das Licht und Süsses in die Welt trägt ist ja nun auch wirklich nichts einzuwenden.

Noch ist kein Grund zur Panik. Noch zehn Tage bis zum Fest der Liebe und dann steht schon wieder Karneval vor der Tür. – Ich bin entzückt. – Ich habe mir selbst den dritten Teil der Zwergen-Sage von Markus Heitz geschenkt, doch ist das wieder ein anderer Beitrag.

In diesem Sinn noch eine schöne Weihnachtsvorbereitung und immer ein Auge auf die Veränderungen im neuen Jahrtausend.

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