Twitter hat mich erwischt

Hallo Netzwelt,

gestern ist für viele Menschen in Deutschland kein Zug gefahren. Die Deutsche Bahn hatte mit einer gewaltigen, bundesweiten Netzwerkstörung zu kämpfen – Ursache unbekannt. Ich habe den ganzen Tag, die Nacht und den heutigen Morgen mit Twitter verbracht. Ein Alibi, wenn man so will.

Twitter LogoSo kann es gehen. Zwei Jahre nach dem Start, im Oktober 2006, habe ich das Phänomen wahrgenommen und mir einen Account angelegt. twitter.com/kopflast. Die Sache ist so einfach und chaotisch, dasz ich mich wirklich frage, warum es zwei Jahre gedauert hat mich darüber zu informieren? Aber besser spät, als nie. Auch wenn die über Twitter durchaus gespaltener Ansicht ist, bin ich bisher positiv überrascht. Zumindest scheint fast jeder bei Twitter auch ein Blog zu schreiben – erste Momentaufnahme.

Herr Spiegelfechter hält ja nicht sonderlich viel von Twitter, besonders die Aktionen von Herrn T. Schäfer-Gümbel stossen ihm auf. Das Twitter-Interview zwischen TSGhessen und Robert Basic war für den Spiegelfechter kein besonderer Durchbruch der Demokratie und auch nur ein schwaches Beben in der WEB 2.0 Welt, wenn ich ihn richtig verstanden habe. Für FixMBR ist es sogar der größte Blödsinn aller Zeiten.

Twitter ist vor allem eines, einfach. Ein Fenster im Firefox öffnen und schon sitzt man vor der Eingabemaske und kann sich seine 140 Zeichen überlegen. Länger darf ein Beitrag nicht sein. Es gibt auch keine Gruppen oder Themenbereiche. Das läßt zwar zunächst alles mit allem verschwimmen, doch hält einen niemand auf, wenn man etwas Ordnung schaffen möchte.
Zuerst ein paar Angaben für’s Profil und ein Bildchen für die Repräsentanz … einfach, schnell und minimaler Aufwand.
Mit der Twitter-Suche-Advance kann man dann eine Menge Einstellungen vornehmen, um sich den Datenstrom einzugrenzen. Ich habe mit „near:köln within:30km“ für mich eine sehr passende Option gefunden. :-)

Zu den möglichen „Twitter-Befehlen“ findet sich bei 2-blog.net eine ausführlich kommentierte Handreichung. @username und #tag sind gleich sehr hilfreiche Hinweise zum Verständnis des Gezwitscher bei Twitter.

Die deutsche Realpolitik, allen voran Grüne und SPD, hat Twitter als Plattform für Wahlkampf und Bürgernähe entdeckt. Bei Homopoliticus findet sich eine recht ausführliche Liste der politischen Twitterer. So kann der Mikro-Blogging-Dienst zu einem Demokratie-Werkzeug wachsen. Das läßt gespannt in die nahe Zukunft blicken. Die Hessenwahl schlägt schon beachtliche Wellen im , für deutsche Verhältnisse, will ich meinen. Bei Twitter kann man da aber auch schnell auf Abwege geraten. Am Beispiel von Thorsten Schäfer Gümbel von der SPD für Hessen läßt sich das illustrieren:http://twitter.com/tsghessen ist der Abgeordnete bei Twitter und http://www.schaefer-guembel.de/.net/html/-1/welcome.html ist seine angegebene Webseite – dagegen scheint http://twitter.com/tsghessenspd aus anderer Feder zu stammen, was auch die angegebene Webpräsenz http://www.thorstenschaefer-guembel.de/ unterstreicht. Bedrückend, daß der Nachahmer mit großen und kleinen Buchstaben in der deutschen Sprache sicherer jongliert, als das Orginal. Ob dieser nicht schon etwas zu weit geht? Man hätte doch wenigstens dranschreiben können, wenn auch klein, das die Fälschung von der Titanic kommt – die im übrigen auch twittert. Bei aller Liebe zur Satire, scheint mir hier jedoch der Bogen überspannt. Fälschung und Orginal sind nicht sicher zu unterscheiden und wer macht schon eine Whois-Abfrage, um sich zu informieren?

Schön ist es, wenn man dann auch gleich Freunde trifft. Ixiter von der Pytalsuche und Konna von der Gedankendeponie habe ich da schnell gefunden. ;-) Schnell wird man zum Verfolger und zum Verfolgten, so heißt das, wenn man bei Twitter aufeinander aufmerksam wird.

In der vergangenen, schlaflosen Nacht habe ich dann auch gleich ein paar nette Kontakte geknüpft. So gehört sich das schließlich für ein soziales . Mit Gequeoman, der auf seinem Blog der Frage nachggeht, ob man mit Twitter wohl Geld verdienen kann, verstehe ich mich gleich auf Anhieb. „ich koche schon wieder, ich kanns nicht lassen. Aber irgendwann muss ich das alles essen oder einfrieren. Ich will bloss kochen“ – Gequeoman bei Twitter. Ein schönes Beispiel für einen gelungenen Tweet. ;-)

Die Zeitrafferin zeigt auf ihrem Blog das man mit Twitter auch Web 2.0 Umfragen durchführen kann, in diesem Fall die berühmte Sonntagsfrage: Was würdest du wählen, wenn heute Bundestagswahlen wären? Bei Twitter erfährt man von ihrem Engagement für die guten Sachen dieser Welt und warum sie trotz aller Zeitrafferei irgendwie immer im Stress ist.

In der Sidebar zur Rechten findest du ein neues Widget, daß über meine Aktivitäten bei Twitter auf dem Laufenden hält. Da kann ich jetzt prima die ganzen Link-Tipps abwerfen, für die ich noch keinen Artikel erfunden habe und wenn Du Lust hast, kannst du mich ja verfolgen. :-)

Für Leute, die sich gerne aus der Presse informieren lassen noch ein Tipp: auf Sozialgeschnatter findet sich eine Liste deutschsprachiger Medien bei Twitter.
Eine schöne Beschreibung von Technik und Funktion von Twitter findet sich auch im WebWorkBlogger, das deutsche Twitter Handbuch, reich kommentiert.

Endlich geschafft! Für alle, die Twitter verpasst oder noch nicht gründlich ausprobiert haben: Das umfassende Kompendium zum verrückten oder auch praktischen Dienst aus den USA. Twitter zwitschert schon seit Längerem, einige haben etwas mehr herumprobiert, andere weniger. Für Neulinge eröffnet sich leider nur mit größter Geduld die Schönheit und der Nutzen von Twitter.

Twitter kann man aber vielleicht auch nicht wirklich umfassend erklären, wenn es auch offensichtlich einfach aufgebaut ist. Twitter ist im Wesentlichen was viele tausend Menschen weltweit aus den einfachen Elementen machen. Allen Kritikern zum trotz, finde ich immer wieder sehr geistreiches in 140 Zeichen. Bei Twitkrit.de beschäftigt man sich ausführlich mit der deutenden Twitterlesung. Im Anschluß ein Video der 2. Twitterlesung von Twitterlesung.de. Wenn Du 30 Minuten Zeit hast, für einen tiefen Einblick, dann wünsche ich schon mal viel Vergnügen.

Twitter, die Tweets und angebotenen Links werden sicher nicht spurlos an meinem Blog vorbeigehen, jetzt wo ich sie entdeckt habe.

Zum Abschluß meiner frischen Eindrücke soll noch der Elektrische Reporter Mario Sixtus zu Wort kommen, mit seiner Erklärung zum Phänomen Twitter auf dem ZDF Infokanal: Elektrischer Reporter – Microblogging: Leben in 140 Zeichen.

Wir lesen uns. ;-)

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3 Gedanken zu “Twitter hat mich erwischt

  1. Pingback: Text & Blog

  2. Danke für den freundlichen Verweis aus Deinem Blog und bei Twitter. Freut mich sehr, daß Dir dieser Beitrag gefallen hat. Jetzt bin ich ja gleich noch ein Stück mehr begeistert. :-)

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