Was für eine Geschichte! Ein Blogger wird zum öffentlichen Mysterium. Gerade noch schien der Verkauf von Basic Thinking bei Ebay ein spektakulärer Coup zum Jahresauftakt, da spielt sich ein Blogger aus Korea in den Vordergrund. Koreas Börse zittert vor dem Propheten, berichtet das Handelsblatt am 20.11.2008.
Seit 1945 ist Korea ein geteiltes Land. Die Republik Korea (Südkorea) und die Volksrepublik Korea (Nordkorea). Die Geschichte von Minerva spielt in Südkorea. In Korea sind die Menschen sehr gut vernetzt, das Land hat wohl die höchste DSL-Dichte der Welt. Zugleich leben die Menschen auch in traditionellen Kontexten die weit in die Geschichte zurück weisen. In Korea wurde rund 200 Jahre vor Gutenbergs Erfindung bereits der Buchdruck entwickelt. Das Land ist wirtschaftlich in höchstem Maß auf Exporte angewiesen. Und der Wirtschaft geht es nicht sonderlich gut. Die Krise an den Börsen und die schlimmste Finanzkrise seit den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts haben auch in Korea die Wirtschaft ins Rutschen gebracht.
Die junge Demokratie Südkorea zählt 48,6 Millionen Einwohner ist ein Brennpunkt der Entwicklung in der Moderne. Die Auseinandersetzung mit Nordkorea, mehrere Militärputsche im eigenen Land, die Entwicklung zu einem modernen Industriestaat und die Kräfte einer vernetzten Informationsgesellschaft haben Land und Gesellschaft in den vergangenen Jahrzehnten in Bewegung gehalten.
Koreas Wirtschaft hängt zu 88 Prozent vom Export ab – und die Amerikaner und Europäer kaufen vermutlich bald kaum noch etwas.
Ein Prophet im Internet verbreitet zusätzlich schlechte Stimmung in Korea: Der mysteriöser Blogger mit Decknamen „Minerva“ hat es zu landesweiter Berühmtheit gebracht. Minerva kommentiert auf der Sozialnetzwerkseite Agora das Geschehen an den Finanzmärkten. Er hat korrekt die Insolvenz der US-Investmentbank Lehman Brothers vorhergesagt und auch die dramatische Abwertung der koreanischen Währung Won weitgehend richtig prognostiziert. Nun bringt er die Börse zum Zittern: Am Montag schrieb „Minerva“ in einem Zeitschriftenbeitrag, dass der Kospi demnächst bis auf 500 Punkten fallen könnte.
Plötzlich sprechen alle über Minerva, zumal er auch in den Hauptnachrichten des beliebten TV-Senders MBC Thema geworden ist. „Minerva macht die Leute etwas nervös“, sagt Wirtschaftsexperte Yun. – Handelsblatt, 20.11.08
Das ein Blogger das Vertrauen einer Bevölkerung derart für sich gewinnen kann, daß er mit seiner Meinungsäußerung die Regierung ängstigt, – es klingt wie eine Fabel von Baron Münchhausen. Wie groß muß das Misstrauen der Bürger gegen die eigene Regierung und die offiziellen Medien sein? Wie im Internet zwielichtige Propheten zu Volkshelden werden, schreibt uns Jens Jessen in der Zeit online. Ja, man muß schon aufpassen, daß einen da nicht der Neid packt. Wenn einer, im günstigen Augenblick, mit seiner banalen Schwarzseherei zum Volksheld avanciert, dann kann es ja mit dem kritischen Denken nicht weit her sein. Skeptisch macht mich da, daß 46% der Südkoreaner sich als religionslos bezeichnen. Der Asiat wirft Rätsel auf und leider kann ich Minerva auch nicht im Orginal lesen.
In Südkorea haben die Beiträge eines Bloggers zur Wirtschaftspolitik der Regierung angeblich zu einer Verringerung der Devisenreserven des Landes in Milliardenhöhe geführt. – so berichtet am 12.01.2009 der Heise Newsticker. Über 100 Artikel in einem populären Internetforum bilden die Grundlage für Minervas Berühmtheit. Dabei kann man dann schon ein Haar darüber spalten, ob Forumsbeiträge einen schon zum Blogger machen…
Seine düsteren Ansichten zur Wirtschaftslage haben Minerva nun ins Gefängnis gebracht. Südkorea läßt Blogger verhaften. Dabei soll es sich um einen arbeitslosen Universitätsabsolventen handeln, der über keine ökonomischen Vorkenntnisse verfügt. Das reicht ja dann, da es in Korea ein Kommunikationsgesetz geben soll, das die Verbreitung von fehlerhaften Informationen im Netz untersagt. Wenn sich diese Rechtsvorstellung globalisiert, dann werden die Gefängnisse der Welt wohl nicht ausreichen.
In der Schweiz geht man der Sache gründlich nach, die Neue Züricher Zeitung berichtet, daß Minerva über eine stattliche Zahl LeserInnen verfügt und auch schon Bücher publiziert hat. Das ist schon mehr als nur Bloggerei.
Seit Juli veröffentlicht ein Koreaner unter dem Pseudonym «Minerva» auf dem «Agora» genannten Diskussionsforum des koreanischen Internetportals «Daum» Blogs über die Wirtschaft, von denen nun das ganze Land spricht. Nicht nur viele eifrige Leser von Blogs warten, bis er – man geht davon aus, dass es sich um einen Mann handelt – sich wieder meldet, sondern ebenfalls zahlreiche Politiker und Wissenschafter. Seine Beiträge werden von mehreren hunderttausend gelesen und vielfach kommentiert. Auch die Medien haben begonnen, sich mit dem Phänomen «Minerva» zu beschäftigen. Die gesammelten Beiträge des unbekannten Autors liegen in drei kleinen Bänden als Bücher vor. Die dritte Auflage ist bereits vergriffen, und die vierte wird demnächst folgen. Das grosse Rätselraten ist nun im Gange, wer wohl «Minerva» sei. – NZZ.ch, Wenn der Wind über die Türschwelle streicht.
Mit flüssigem Schreibstil, einer Mischung aus Sachlichkeit, Ironie und Zynismus, einer kritischen Haltung gegenüber der Regierung und einem Hauch Robin Hood hat es Minerva zu Prominenz gebracht. Und nun löst er, hoffentlich nicht nur in Südkorea, eine Debatte aus. Informelle Selbstbestimmung, Meinungsfreiheit und die Kritikfähigkeit moderner Regierungen sind nicht nur für Koreaner ein gutes Thema zur Diskussion. Das Internet und seine informellen Netzwerke bestimmen die moderne Gesellschaft bereits in hohem Maß. Kunst, Kultur und Politik werden von der Netzwerktechnik grundlegend verändert, den Boten zu verhaften wird die Ereignisse nicht aufhalten.
Die Blogosphäre entwickelt sich schnell zu einer weiteren Säule in der Medienlandschaft. Neben Radio, Fernsehen und Zeitung hat das Blog einen Platz in der Meinungsbildung der Menschen. Vielleicht wird es dann bald auch einen PEN für Blogisten geben, vielleicht mit einer goldenen Escape-Taste als Symbol.
Am Ende wird auch die koreanische Regierung einsehen, dasz die Verhaftung eines Kurskritikers kein probates Mittel zur Bewältigung einer Wirtschaftskrise ist.
Bildnachweis:
- Korea Tourism Poster,Bestimmte Rechte vorbehalten, siksiksik bei Flickr.
Das Problem wäre, dass der jetzige koreanische (Diktator)Kanzler Lee, Myungbak den kleinen Staat unter seiner Macht kontrollieren will. Die Leute, die ihm nicht gut gefallen oder gut formuliert gegen ihn sind, eliminiert er kaltblütig weg.
In welchen demokratischen Ländern werden die Meinungsfreiheiten gedemütigt? Der Produzent bei MBC, der über den unüberprüften Import von Wahnsinnskuhe berichtete, wurde heute vom Stattsanwalt festgenommen. Die Regierung teilte mit, dass er die Einstellung der Völker zum Rindfleischkonsum eher negativ beeinflusst haben soll. Der koreanische Stattsanwalt steht quasi unter der Macht von ihm.
Die Völker, die die friedlichen Kerzenbewegungen machten, sind gewaltig verprügelt und festgenommen. Für die Festnahme von den Betreffenden soll der Lee den Oberste-Richter(?) unter Druck gesetzt haben, dass die Streikenden im Gefängnis bleiben sollen. Sein Wort und Wunsche müssen unbedingt in Erfüllung gehen.
In dem Fall ‚Minerva‘ wurde ein Richter, der diesen Fall richten musste, vor kurzem gekündigt oder hat kündigen lassen. Was bedeutet das?
Der dumme Lee denkt, dass der Job Regierungsführer ein Neidspiel ist.
Wer kann das Land retten?