Willkommen im April

Liebe Traditionalisten,

in meiner Gegend wird man noch in den April geschickt. Eine übertriebene Geschichte wird einem zum Verhängnis. Und dabei war man doch dieses Jahr gut vorbereitet. Am 1. April kann man nicht einmal den Nachrichten trauen. Ein Tag des allgemeinen Misstrauen. Manche sind auch einfach nur genervt.

sedlec Ossuary

Dieses Bild einer skurrilen Lampe aus menschlichen Knochen ist mit das erste was ich am 2. April im weiten Netzwerk finde. Offensichtlich wird dieser April auch noch makaber. Die Wikipedia sammelt wirklich von Allem etwas an. Eine kleine Nachlese werde ich mir zum ersten Kaffee gönnen. So verspricht der 1. April doch so manche Überraschung. Heute kann man sogar schon lesen, wie die kleinen Perlen des Humor bei der Kritik angekommen sind. In der Nachbarschaft arbeitet Ixiter an der Pytalsuche. Dort hat man herausgefunden, wem bald das Internet gehört. Eine recht umfassende Seite zum Witz des 1. April 2008 in der Blogosphäre hat der Nerdcore zusammen getragen.

Keine Angst, ich werde euch nicht mit traurigen Geschichten aus meiner Kindheit, die selbst gestandene Knastaufseher zum weinen bringen, peinigen oder euch mit sinnlosem Quatsch, wie etwa der Liste der skurrilsten Wikipedia-Artikel, belustigen. Nein. Stattdessen wird mir die Aufgabe zu teil, wie René im letzten Jahr, die heutigen April-Scherze zu sammeln. – Micha bei Nerdcore

Bei soviel schrägem Humor kann der Tag doch nur gut anfangen, wir lassen ihm keine andere Wahl.
Ixiter ist nicht der Einzige, der Google zum Ziel seiner Überlegungen gemacht hat, auf Basicthinking geht es auch um die Suchmaschine, irgendwie. Also? Google hat seinen Sex-Appeal verloren, morgen werden andere Unternehmen im Fokus stehen. Verlassen u.a. auch deswegen alteingesessene Mitarbeiter Google, was meinen letzten Indikator darstellt, dass Google nicht mehr das over the top Projekt ist?

Das Wetter ist sprichwörtlich. Die graue, feuchte Seite überwiegt. „April, April – der macht was er will.“ – eine alte Bauernweisheit. Wie lange das noch gilt? Wo doch unser Klima gerade dabei ist, daß ganze Jahr in einen langen Wetter-April zu verwandeln. Seit dem 16. Jahrhundert ist der Brauch mit den derben Scherzen belegt, weiß die Wikipedia zum Aprilscherz zu berichten. Der April hat 30 Tage, diese profane Erkenntnis findet sich jedoch auch in der Online-Enzyklopädie – ernüchternd.

Google lässt den April 2008 natürlich nicht vergehen, ohne selbst einen Beitrag zu leisten: http://www.google.com/virgle/. In hundert Jahren leben wir auf dem Mars, also nicht wirklich wir – denn wir sind dann ja schon Staub, oder? Nichts desto trotz kann man sich ja schon mal anmelden, vielleicht kommen ja wenigstens die Daten an. ;-)

aus einem uralten Geistercomik vom Bastei Verlag

Die Tagesschau macht mir so richtig ! Wie mich die Sommerzeit nervt, ach wär doch dieser Beitrag nur wahr. Die Sommerzeit steht vor dem Aus. Davon träume ich schon so lange.

Kann man sich mit dem Aprilscherz auch ernsthaft Auseinandersetzen? Die Seite Religiöses Brauchtum zeigt wie.

Es fällt auf, dass der Aprilscherz Ende des 18. und im 19./20. Jahrhundert eine Art pädagogischer Zeigefinger-Charakteristik annimmt. Der Aprilnarr macht sich nicht mehr selber und direkt zum Narren, sondern er wird dazu gemacht. Der Aprilscherz wird oberlehrerhaft, indem er den Naiven ihre Naivität öffentlich vorführt. – Aprilscherz, religioeses-brauchtum.de

Da bekommt der Scherz eine Qualität als Werkzeug der Aufklärung. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts ist es fast schon ein Breitensport. Ein Zweig der Unterhaltung. Sich selbst mal nicht so wichtig nehmen, vielleicht hat der Aprilscherz eine reinigende Wirkung auf das Ich. Er schützt davor all zu überheblich zu werden. Dann ist man doch froh, wenn man selbst auch mal wieder in den April geschickt wurde. Über sich selbst lachen zu können, ist eine wichtige Zutat der Gelassenheit.

aus einem uralten Geistercomik vom Bastei Verlag

Ich bin jedenfalls ganz froh, daß es der Aprilscherz durch die Jahrtausendwende geschafft hat. Ein europäischer Tag des Nonsens, an dem sich Jedermann ein Mal die Kappe des Narren aufsetzen lassen kann.
Der Kaffee ist alle. Da muß ich mich jetzt kümmern. Wir lesen uns.

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