100 x Internationaler Frauentag

Hallo Festtagskomitee,

100. Frauentages ist wieder soweit. Ein internationaler Festtag! Inzwischen ist ja eigentlich jeden Tag etwas offizielles zu feiern. Wer die Wahl hat, quält sich halt manches Mal ordentlich herum damit. Heute feiern wir international die Frauen, denken an die Großen dieses Geschlechts und das wir alle nicht da wären… ohne die Frauen. Ja, gut. Und dann? Die Bewegung der Frauen hat viele Fragen aufgeworfen und wenige Antworten geliefert. Das es in der gewohnten Weise nicht mehr weiter geht. Für Demokraten ist es heute keine Frage mehr, daß Frauen an Wahlen teilnehmen, selber kandidieren oder Bundeskanzlerin werden. So können wir schon einmal sehr schön feststellen, wenn es eine Frau macht wird es nicht besser. Meistens noch nicht einmal anders.

Ganz nebenbei geht es auch noch um den Weltfrieden. Die Sache der Frauen und der Weltfrieden, das gehört ja auch irgendwie zusammen. Die wenigsten Frauen in meinem bescheidenen Bekanntenkreis wussten von ihrem heutigen Feierglück. Der Internationale Frauentag ist auch verbunden mit dem Ringen des Sozialismus mit der Welt und dem Kampf der Arbeiter um mehr Beteiligung und gegen die maßlose Ausbeutung, um 1900.

Die deutsche Sozialistin Clara Zetkin schlug auf der Zweiten Internationalen Sozialistischen Frauenkonferenz am 27. August 1910 in Kopenhagen die Einführung eines internationalen Frauentages vor, ohne jedoch ein bestimmtes Datum zu favorisieren. Einige Monate später wurde am 19. März 1911 in Dänemark, Deutschland, Österreich-Ungarn und der Schweiz der erste Frauentag gefeiert. Mit der Wahl des Datums wurde der revolutionäre Charakter des Frauentags hervorgehoben, denn der Vortag, der 18. März, war der Gedenktag für die Gefallenen während der Märzrevolution 1848. Außerdem hatte auch die Pariser Commune 1871 im März begonnen.

Am 8. März 1917 – nach russischem (julianischem) Kalender der 23. Februar – streikten in Sankt Petersburg die Arbeiter- und Soldatenfrauen des armen Stadtviertels Wyborg und lösten damit die Februarrevolution aus. Zur Ehre der Rolle der Frauen in der Revolution wurde auf der Zweiten Internationalen Konferenz kommunistischer Frauen 1921 in Moskau auf Vorschlag der bulgarischen Delegation der 8. März als internationaler Gedenktag eingeführt. Nach anderer Darstellung war es nach Aufforderung von Alexandra Kollontaj und anderen Vorkämpferinnen Lenin, der in diesem Jahr, 1921, den 8. März zum „Internationalen Frauentag“ erklärte. – Wikipedia

Zu dieser Zeit waren die Frauen noch von einem anderen Kaliber. Inzwischen wird eine Sache, wie so ein Feiertag, ja nicht mehr dem Zufall überlassen, jede ordentliche Bewegung hat auch die Institutionen, die sie vertritt. Im Fall der Frauen dürften das die Vereinten Nationen sein. „2006 lag der Schwerpunkt zahlreicher Aktionen auf der Rolle der Frauen in politischen Entscheidungsprozessen. Der Internationale Frauentag 2007 mahnte an, Gewalt gegen Frauen und Mädchen überall auf der Welt unter Strafe zu stellen. Das Motto der Vereinten Nationen im Jahr 2008 lautet Investing in Women and Girls. Fokussiert werden soll auf die Herstellung von Chancengleichheit und deren Finanzierung in den einzelnen Ländern. Entsprechend kündigte die Bundesfrauenkonferenz der deutschen Gewerkschaft Verdi Veranstaltungen zum Thema Frauen verdienen mehr an. Unter anderem sollen gleiches Entgelt für gleiche und gleichwertige Arbeit sowie Mindestlöhne angemahnt werden.“ Die Sache der Frauen und die der Arbeiter gehen wohl immer noch Hand in Hand. Es ist wirklich ein Unding, das Frauen für gleiche Arbeit auch in Deutschland immer noch vielerorts weniger verdienen.

Der Frauentag blickt auf eine lange Tradition zurück. Die Sache ist auch noch lange nicht gewonnen und vom Tisch. Die Arbeitswelt ist kein Paradies und die Frau ist zu einem Objekt der Werbung und der Begierden geworden. In einer Gegenwart, die davon geprägt ist, daß es keine klaren Ziele und Gegner mehr gibt, ist die Erinnerung an die Bewegungen des vergangenen Jahrhundert doppelt wertvoll. Wir können sehr gut erkennen, daß sich der Einsatz gelohnt hat, denn es hat sich etwas verändert. Über manches Ziel von damals muß man heute noch einmal nachdenken, doch ohne jeden Zweifel hat sich unsere Gesellschaft verändert. Das macht doch Hoffnung. Ich kann mich erinnern, das ich vor Jahren einmal das Vergnügen hatte einem Betriebsrat einige Stunden dabei zuzuhören, wie man die weibliche Form in der betrieblichen Sprache plazieren kann, ohne die Binnen-I-Variante zu benutzen. Es ist wohl so manchem an diesem Tag erst deutlich geworden, wie sehr die deutsche Sprache das Männliche betont. Vielleicht wird es aber auch erst durch die eingehende Betrachtung so empfunden. Vieles klingt maskulin und ist es wohl der Form nach, wird jedoch mehr sachlich verwendet. Das Es ist auch unterrepräsentiert.

Soweit mein Gedankenmix zum Tag der Frauen und des Weltfriedens 2008. Ich bin noch zu erschöpft vom nächtlichen Tanzen. Wie es sich gehört habe ich mit netten Frauen reingefeiert.

Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) verbindet mit dem Internationalen Frauentag gemischte Gefühle. „Ich verbinde mit dem Frauentag gemischte Gefühle“, sagte sie der in Halle erscheinenden „Mitteldeutschen Zeitung“ (Samstag Ausgabe). „Ich empfinde einerseits Stolz darüber, was wir geschafft haben im letzten Jahrhundert: Frauen wählen. Frauen haben ein Konto. Frauen entscheiden selber, ob sie einen Beruf annehmen oder kündigen. Andererseits ist noch unendlich viel zu tun – beim Thema Gewalt gegen Frauen, beim Thema Prostitution, beim Thema Lohnungleichheit. Mit anderen Worten: Das Arbeitsfeld ist groß.“ Von der Leyen erklärte weiter: „Mein Hauptwunsch zum Frauentag ist: Weiter so! Geschlossen bleiben! Sich nicht gegeneinander ausspielen lassen! Unsere Stärken gemeinsam finden und dann auch durchsetzen!“ Privat wird in der Familie der CDU-Politikerin zwischen Frauentag und Muttertag unterschieden. Von ihren Kindern bekomme sie Glückwünsche „zum Muttertag. Sie sehen mich in erster Linie als Mutter. Zum Frauentag bekomme ich Glückwünsche von meinem Mann. Gott sei Dank bin ich in erster Linie Frau für ihn.“ – Mitteldeutsche Zeitung

Zum Frauentag eine Erinnerung an Emma Goldmann (1869-1940) und ihr Essay Das Tragische an der Emanzipation der Frau in der Anarchopedia.

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2 Gedanken zu “100 x Internationaler Frauentag

  1. Pingback: Badetuch

  2. Hallo Peter,
    das ist ja nett. Jetzt weiß ich wenigstens, das es geht!
    Wäre schon schön, wenn es das Badetuch wieder gäbe. Freue mich auf den Tag, an dem Du es wieder ausrollst.
    Gruß kopflast

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