Werte Blogbesucher,
mit halb geschlossenen Augen taste ich mich zum Bad vor. Eine Douche ist jetzt genau das Richtige, um wieder eine günstigere Zirkulation meines Blutes anzuregen. Fühle ich mich doch irgendwie noch recht bewußtlos. Wenn man sich die sanitären Anlagen mit anderen Menschen teilt, dann ist man vor keiner Überraschung sicher.
Nachdem mich das frische Wasser einige Minuten umspült hat, erlebe ich mal wieder eine dieser wunderbaren Momente – der kosmische Surprise-Faktor.

Wow, das ist ja wirklich kühl. Und die haben nichts an… Morgenstund‘ hat Gold im Mund. Naja, heute ist halt alles aus Plastik – das ist die moderne Welt. Aber die Duschwanne sieht gleich viel netter aus.
Für einen Augenblick stockt mir der Atem. Ich bin mir noch nicht sicher, ob das nun wirklich ist oder der Rest eines dieser verkorksten Träume, die mich in der Tiefschlafphase unterhalten. Als Single ist man sich ja nicht immer sicher, die Hormone wirken doch nach sehr eigenen Programmen.
Zum Glück bin ich nicht der Einzige, der sich über Männer und Frauen unter der Dusche Gedanken macht. Das hätte mich wirklich gewundert, so ein spritziges Thema. Ich würde es jedoch nicht als Geschlechterkampf betrachten.
Das schöne an diesen beiden Figuren ist, daß sie mich nicht zu einem Gespräch nötigen. Zu dieser Zeit bin ich dazu noch nicht in der Lage. Ich bin ja gerade gekommen, um wach zu werden. Das ist heute gerade mal 13 Uhr. Und es ist zudem Sonntag, wer rechnet da mit einer solchen Überraschung?
Und als ich mich an den Anblick der einen gewöhnt habe, da entdecke ich erst die andere… diese wahnsinnigen Mähnen. Also so, ja, da kommt das so richtig zur Geltung.
Da würde jedem normalem Menschen das Blut in den Kopf schießen, doch diese tapfere Lady hält das schon sehr lange aus. Mindestens eine Nacht und den Vormittag. Eine beachtliche Leistung. Die Haken an den Handgelenken wirken jedoch unnötig brutal.
So ist das, wenn man seinen Wohnraum mit anderen Menschen teilt. Ein Leben zur Untermiete. Zumindest ist es überschaubar. Wenn man erst mit dem Roller zu Dusche fährt und Teil einer Massen-WG ist, dann wird die Überraschung zum Alltäglichen. Jedoch wird einem das Überraschen durch diverse Regeln erschwert:
„Im Bad darf nichts stehen bleiben, sonst ist es mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit in wenigen Tagen von den anderen aufgebraucht. Ein bisschen wie in einer Kommune, in der jedem alles gehört. Maria zieht deshalb immer mit einem Körbchen in der Hand los in Richtung Dusche. Große Ablagen für Schminktöpfchen, für viele Frauen ein Muss, gibt es nicht.„
Die Entwicklung des Duschens ist noch nicht abgeschlossen. Vielleicht finde diese Entwicklung mehr in der unbeachteten Nische unserer Gesellschaft statt, doch werden wir alle früher oder später überrascht feststellen, daß niemand mehr alleine duscht.
Erstmals reale Dusche in der virtuellen Welt: „(Pressemitteilung) Graz / Ortlos, 14.2.2008. Die Grazer „Tenne Bad und Fliesen“ entwickelte in Kooperation mit dem Institut für Informationssysteme und Computer-Medien der TU Graz und der Architekten-Gruppe „Ortlos Architects“ die erste gleichzeitig in der realen Welt und in der virtuellen Welt „Second Life“ verfügbare Multifunktionsdusche.„
Die Dusche hat etwas Reinigendes. Für Körper und Geist. Ich habe dabei noch das große Glück, das es derart angenehme Überraschungen sind, die mich unter der Dusche erwarten. Frau Renate Künast hat da schon ganz andere Sachen erlebt: „Als ich kurz nach Bekanntwerden der Katastrophe auf dem Heimweg vom Regen erwischt wurde, habe ich sämtliche Kleidungsstücke weggeworfen und eine halbe Stunde lang heiß geduscht. Dabei strömten auch die Tränen.“ – Unter der Dusche strömten auch die Tränen, Frau Künast und der GAU von Tschernobyl. Da wird die Brause zum Ort großer Gefühle.
Ich denke, wir haben diesem eng umschlossenen Kulturraum bisher zu wenig Beachtung geschenkt.