Philosophisches Lesen mit Francesc Hervada-Sala

Hallo Vagabunden in der digitalen Sphäre,

Kölner Zennach der großen Enttäuschung, die ich mit dem neuen SPD-Programm erlebt habe, brauchte ich dringend ein paar neue Perspektiven. Mal einen frischen Wind ins Denken fahren lassen… Also, dachte ich bei mir, gehe ich doch mal wieder ein anderes Blog besuchen – das erweitert den Horizont.

Als ich schließlich auf dem Notiz-Blog von Francesc Hervada-Sala ankam, hatte ich gleich das Gefühl eine verwandte Seele zu treffen und das nicht nur, weil wir uns ein Geburtsjahr teilen. ;-)

Dieses Weblog habe ich am 23. April 2006 angefangen, einfach um mich einen Raum zu verschaffen, um frei zu schreiben. Später ist mir eingefallen, dass es auch als Arbeits-Notizblock benutzt werden kann, und so habe ich hier frühere Notizen — von denen ich glaube, dass sie mir einmal nützlich sein werden — unter dem ursprünglichen Datum aufgenommen. Der Titel ‚Zum Organon‘ deutet auf den roten Faden hin, der all meine Bemühungen zusammenhält. Ich bin nämlich davon überzeugt, dass ein Organon — so wie es mir vorschwebt — die richtige Antwort auf viele der großen Probleme der Gegenwart ist und dass sich mit ihm vielversprechende und aufregende neue Wege aufmachen.“ – http://francesc.hervada.org/notizblock/vorstellung

Francesc verbindet Themen nach meinem Gusto. Informatik, und der Versuch eigene Gedanken zu formulieren. Und Francesc bearbeitet das Internet von mehreren Seiten aus, auch da sehe ich eine gewisse Verwandtschaft. Treibende Kraftist der Spaß daran Informationen und Gedanken mit anderen Menschen zu teilen und ganz nebenbei auch noch die eigene Entwicklung zu befördern.

Kurz zu meiner Person: Ich bin Katalane, aus Barcelona, einundvierzig Jahre alt und wohne seit 1998 in Deutschland. Ich kam hierher, um Deutsch zu lernen und die deutsche Philosophie im Original lesen zu können, und fand nicht nur eine wunderbare Sprache und Kultur, sondern auch unvorhergesehenerweise ein großartiges und liebenswürdiges Land, wo ich gerne lebe und mit dessen Gesellschaft ich gerne mitmache.

Das ist doppelt schön! Zum Einen, der Blick eines Menschen, der nicht hier geboren ist und sicher die kulturellen Feinheiten in unserer Republik anders wahrnehmen kann, zum Anderen lebt er gerne hier. Dieses Wohlgefühl geht zu oft im allgemeinen Gejammer unter. Das man sich in Deutschland auch wohlfühlen kann und an der Gestaltung der Gesellschaft Anteil nehmen kann, ist ein schönes Beispiel dafür, daß Integration auch gelingen kann.

Im Notizblog finden sich Francesc Gedanken und Sublimationen zur Informatik, Philosophie und auch Text- und Wissenschatstheorie. Ein wunderbares Blog zum Lesen und selber denken.

Heidegger und Kant bearbeitet Hervada-Sala in einem eigenen Webprojekt: Philosophisches-Lesen.

Vorbemerkung. Wenn Sie gerade auf diese Webseite gelandet sind, ist vielleicht eine Vorbemerkung nötig. Sollten Sie sich in der Gegenwart verfangen haben, werden Sie sich wohl mit dem geläufigen hohlen Philosophiebegriff angesteckt haben. So muss man unbedingt zuerst klarstellen, dass wir hier mit dem Wort Philosophie die großen Werke der Geistesgeschichte bezeichnen und sonst nichts. Wie Pilze aus dem Boden schießen in der Öffentlichkeit Bücher, Konferenzen und andere Initiativen mit dem Anspruch, selbst philosophisch zu sein. Diese Wortwahl lehnen wir grundsätzlich ab. Das Philosophisch-Sein darf nicht zu einem formalen, äußerlich bestimmbaren Begriff verkommen, sondern muss, wie beim Qualitätswein, das Prädikat bleiben, das nur eine lange Ruhezeit und eine gesellschaftliche Auslese gewähren kann. Denn dadurch, dass lauter oberflächliche und geistlose Ansätze voreilig als philosophisch gekennzeichnet werden, vergisst man nur, dass große geistige Leistungen hervorgebracht worden sind. Nicht jeder sollte sich mit den großen Werken der Philosophiegeschichte beschäftigen, aber jeder sollte wissen, dass es sie gibt und dass sie einen außerordentlichen Reichtum darstellen. Und am wenigsten ist man deren gewahr, wenn man sie dadurch verdeckt, dass man das Wort Philosophie mit wertlosem Kleinkram belegt.“ – http://www.philosophisches-lesen.de/vorstellung.html

Klassische Philosophie ist die Basis unserer heutigen gesellschaftlichen Wirklichkeit. In der Beschäftigung mit den großen deutschen Denkern liegt viel Selbsterkenntnis und wartet darauf vom geneigten Leser und Denker geborgen zu werden. Die Projekte von Hervada-Sala zeugen davon, daß auch in der Gegenwart die Neugierde lebendig ist und es Menschen zu philosophischer Einsicht und tieferem Verständnis treibt.

Wenn das Denken zu Ende geht, indem es aus seinem Element weicht, ersetzt es diesen Verlust dadurch, daß es sich als tecnh, als Instrument der Ausbildung und darum als Schulbetrieb und später als Kulturbetrieb eine Geltung verschafft. Die Philosophie wird allgemach zu einer Technik des Erklärens aus obersten Ursachen. Man denkt nicht mehr, sondern man beschäftigt sich mit »Philosophie«.
[Martin Heidegger, „Über den Humanismus”, Vittorio Klostermann, Frankfurt am Main, 9. Aufl., 1991, S. 8-9]

Das bisherige Werk von Francesc Hervada-Sala verstehe ich als Einladung zum eigenen Studium und Nachdenken, eine Anregung Philosophie lebendig zu erhalten. Ein großes Bravo!

Wer darüber hinaus Lust verspürt sich auf ein Textexperiment einzulassen, kann es ja mal mit textei.net probieren. Eine experimentelle Text-Engine für die Auseinandersetzung mit historischen Texten. Zur Zeit findet sich ‚Kritik der reinen Vernunft‘ von Immanuel Kant in der Textmaschine – der lohnt eine Beschäftigung immer – a priori.

Zum Abschluß möchte ich Dir den Link auf die private Homepage von Francesc Hervada-Sala nicht vorenthalten. Auch sie ist einen Besuch wert.

Ich bin von den fundamentallinguistischen Textbegriffen zur Philologie begeistert. Das Gesamtwerk hat mich sehr beeindruckt. So informativ kann Internet sein! Eine echte Anregung zum Nach- und Mitdenken.

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