Werte Globalisten, geehrte Lokalpatrizier,
und? Habt ihr etwas gemerkt? Die Armut ist weg!!!
Gestern war der globale Aktionstag, Zeit der Lippenbekenntnisse und des gegenseitigen Schulterklopfen. Allein die Flasherei auf der Seite Stell-Dich-gegen-Armut wird wohl einige Webdesigner vor dem Hungertod gerettet haben. Engagement im Internet ist gerade schwer in Mode.
„The campaign to make poverty history-a central moral challenge of our age-cannot remain a task for the few, it must become a calling for the many. On this International Day for the Eradication of Poverty, I urge everyone to join this struggle. Together, we can make real and sufficient progress towards the end of poverty.“
United Nations Ex-Secretary-General, Kofi Annan
„Excerpts taken from his message to be delivered on the International Day for the Eradication of Poverty, 17 October 2006″.
Das ist doch eine edle Zielsetzung, Kampf der Armut.
Da steht ein ganzer Tag im Zeichen des Kampfes gegen die Armut in der Welt. Naiv wie man ist, stellt man sich die Sache einfach zu einfach vor! Es hapert an der Verteilung, da sind sich die Expertisen relativ einig. Es ist genug Geld und es sind genug Waren da. Hunger und Not sind rein rechnerisch schon besiegt – wieso nur sterben jeden Tag arme Menschen?
Der Zielkatalog der UN ist in Gefahr. Es sieht so aus, als würde die Menschheit immer noch am Teilen scheitern. Dabei gab es doch schon Gipfel und Aktionstage in großer Zahl.
Hier die Ziele der Weltorganisation in der wikipedischen Zusammenfassung:
„Für die Umsetzung der Millenniumserklärung erstellte eine Arbeitsgruppe aus UN, Weltbank, OECD und anderen Organisationen im Jahr 2001 eine Liste von Zielen, die als die acht so genannten „Millennium-Entwicklungsziele“ (engl. Millennium Development Goals, MDGs) bekannt wurden.
Im Einzelnen wurden folgende Hauptziele formuliert:
- Bekämpfung von extremer Armut und Hunger (Vorgabe: bis zum Jahr 2015 den Anteil der Menschen halbieren, die weniger als 1 US-Dollar am Tag haben, und ebenso den Anteil der Menschen, die Hunger leiden [Basisjahr 1990])
- vollständige Primarschulbildung für alle Jungen und Mädchen
- Förderung der Gleichstellung der Geschlechter und Stärkung der Rolle der Frauen
- Reduzierung der Kindersterblichkeit (Senkung der Sterblichkeitsrate von Kindern unter fünf Jahren um zwei Drittel)
- Verbesserung der Gesundheitsversorgung von Müttern (Senkung der Müttersterblichkeitsrate um drei Viertel)
- Bekämpfung von HIV/AIDS, Malaria und anderen schweren Krankheiten
- Ökologische Nachhaltigkeit (Verbesserung des Umweltschutzes)
- Aufbau einer globalen Entwicklungspartnerschaft
Alle Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen sind sich einig und haben zugesagt, diese Ziele bis zum Jahr 2015 zu erreichen.
Als dazugehörige Zielvorgaben wurden folgende Vorgaben gemacht:
-
- Weiterentwicklung eines offenen, regelgestützten, berechenbaren und nicht diskriminierenden Handels- und Finanzsystems (umfasst die Verpflichtung auf eine gute Regierungs- und Verwaltungsführung, „Good Governance“)
- Berücksichtigung der besonderen Bedürfnisse der am wenigsten entwickelten Länder (umfasst zoll- und quotenfreien Zugang für die Exportgüter dieser Länder, verstärktes Schuldenerleichterungsprogramm für die hoch verschuldeten armen Länder und die Streichung der bilateralen öffentlichen Schulden sowie die Gewährung großzügigerer öffentlicher Entwicklungshilfe für Länder, die zur Armutsminderung entschlossen sind)
- Berücksichtigung der besonderen Bedürfnisse von Binnen- und kleinen Insel-Entwicklungsländern
- Maßnahmen auf nationaler und internationaler Ebene, um die Schuldenprobleme der Entwicklungsländer umfassend anzugehen
- Strategien zur Beschaffung menschenwürdiger und produktiver Arbeit für junge Menschen
- Verfügbarmachen von erschwinglichen unentbehrlichen Arzneimitteln
- Nutzung der Vorteile von neuen Technologien, insbesondere der Informations- und Kommunikationstechnologien, möglich machen.
Auf dem Weltgipfel für nachhaltige Entwicklung (englisch: World Summit on Sustainable Development) vom 26. August bis zum 4. September 2002 in Johannesburg/Südafrika wurden die Millenniumsziele in den Aktionsplan aufgenommen.
Eine UN-Millenniumkampagne unter Leitung der ehemaligen niederländischen Entwicklungsministerin Eveline Herfkens unterstützt derzeit (2006) in rund 60 Ländern nationale Kampagnen zur Erreichung der Millenniumsziele. Des Weiteren arbeiten weltweit zahlreiche Nichtregierungsorganisationen und auch von der Regierung unterstützte Institutionen im Rahmen der Entwicklungsforschung an Umsetzungstrategien sowohl auf lokaler als auch internationaler Ebene.
Als Beitrag Deutschlands wurde im April 2001 parallel zur Abstimmung der Millenniumsziele das Aktionsprogramm 2015 vom Bundeskabinett verabschiedet.
Im September 2005 sollte bei der „Millennium+5“-Konferenz zu Beginn der 60. UN-Generalversammlung überprüft werden, ob und in welchen Ländern und Regionen die Millennium Development Goals (MDGs) erreicht werden können.
Die Umsetzung der Millenniumsziele droht jedoch zu scheitern. Daher fordert der MDG-Beauftragte der UN Jeffrey Sachs einen MDG-Aktionsplan für 2008-2015. Aus Initiativen des ökumenischen Prozesses für Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung z. B. von der Franz von Assisi Akademie wird zusätzlich eine stärkere völkerrechtliche Verbindlichkeit des gesamten Rio-Johannesburg-Prozesses eingefordert.“
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Millennium-Gipfel
An Programm fehlt es nicht. Engagierte Reden haben wir auch gehört. Leider kann ich nicht mehr feststellen. Auch einen Tag nach dem globalen Aktionstag hat sich an der Verteilung nichts geändert. Mich würde ja mal interessieren, was der weltweite Tag gegen die Armut gekostet hat.
Ich bin natürlich im Grundsatz für solche Aktionen, das Gedächtnis der Menschheit ist kurz. Will man überhaupt ein Ziel erreichen und dann auch noch so einen ungewöhnlich langfristigen Plan verfolgen, dann braucht es derartige Veranstaltungen. Aber wie hat schon der King gesungen: A little bit less conversation, a little bit more action, please. (Sollte ich mich hier mit dem Elvis vertan haben, wird es der Peter richten
)
Am 24. Oktober ist der Tag der UN – dann lesen wir weiter.